Beiträge zum Stichwort ‘ Sklaverei ’

Die Zeit: “So süß und doch so bitter”

Die Zeit, 17.12.09, von Kathrin Burger

Die Deutschen lieben Schokolade und wissen oft nicht um die menschenunwürdigen Bedingungen im Kakaoanbau

Gut elf Kilogramm Schokolade pro Kopf gönnen sich die Deutschen im Jahr und belegen damit Platz eins auf der Welt. Deutschlands Hersteller setzten 2008 allein mit weihnachtlichen Schoko-Artikeln fast 500 Millionen Euro um. Allerdings hat der Genuss auch einen bitteren Beigeschmack, von dem viele Verbraucher gar nichts ahnen. Noch immer werden Kakaobohnen häufig von Kindern angebaut, unter menschenunwürdigen Bedingungen.
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An der Elfenbeinküste – von dort stammen 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohkakaos – arbeiten laut Schätzungen der Organisation Anti-Slavery International rund 200.000 Kinder im Kakaoanbau. Und obwohl sich die Schokoladenindustrie vor rund zehn Jahren verpflichtet hat, derlei Missstände zu beseitigen, kommen jüngste Berichte zu einem anderen Schluss: Eine im September erschienene Studie des kirchennahen Instituts Südwind belegt, dass sich die Lage in den betroffenen Staaten, wenn überhaupt, nur unwesentlich gewandelt hat. Weiterlesen…



Noch immer Kindersklaverei für Kakaokonzerne

In Westafrika arbeiten nach Schätzungen des International Institute of Tropical Agriculture rund 284.000 Kinder auf Kakao-Plantagen. Zwischen zehn- und zwanzigtausend von ihnen wurden als SklavInnen an die Farmen verkauft - oft nur für 25 Euro. Unter dem Druck der Öffentlichkeit versprach 2001 die International Cocoa Initiative, zu der auch führende Nahrungmittelkonzerne wie Kraft Foods, Mars und Nestlé gehören, bis 2005 ein Ende der Kindersklaverei in der westafrikanischen Kakaoproduktion zu garantieren.

Weil das nicht gelang, wurde eine Nachfrist bis 1. Juli 2008 beschlossen. Noch 2007 wies die BBC nach, dass nach wie vor tausende Kinder mit Macheten die gefährliche Arbeit auf den Kakaoplantagen verrichten. Doch auch nun sind die Schokoladenfirmen laut dem International Labor Rights Forum nicht in der Lage, die Beseitigung der Kinderarbeit in der Kakaoproduktion nachzuweisen. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit  von ausbeuterischer Kinderarbeit und von Kinderhandel in der Schokoladenindustrie sei heute genauso groß wie vor acht Jahren, während die Konzerne falsche Angaben über die Zertifizierung machen würden und über deren angebliche Verbesserungsmaßnehmen der Konzerne nichts bekannt sei.

Der vollständige Bericht steht hier zum Download bereit.