Beiträge zum Stichwort ‘ Rainforest Alliance ’

Fair oder nicht fair? - Gütesiegel unter der Lupe

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher setzen auf faire Produkte. Viele Initiativen oder Unternehmen wollen an diesem Boom teilhaben und rücken sich in ihrer Kommunikation in die Nähe des Fairen Handels. Doch werden sie diesem Anspruch wirklich gerecht?

Das Forum Fairer Handel, das Netzwerk der Fair-Handels-Organisationen und -Akteure in Deutschland hat das international anerkannte Fairtrade-Siegel in einer Studie mit drei anderen „nachhaltigen“ Ansätzen vergleichen lassen: mit dem brancheneigenen Verhaltenskodex der Kaffeewirtschaft 4C, dem Umweltmanagementsystem Rainforest Alliance und dem ‘Hand in Hand’-Zeichen des Bio-Anbieters Rapunzel. Ziel der Untersuchung war, deutlich herauszuarbeiten, was den Fairen Handel von ähnlich klingenden Ansätzen unterscheidet.

Olaf Paulsen, der Verfasser der Studie, resümierte bei der Veröffentlichung als Fazit seiner Untersuchung, dass keiner der drei untersuchten Ansätze den international anerkannten Kriterien des Fairen Handels entspricht, wie sie durch die Fair-Handels-Bewegung definiert wurden und durch das FLO Fairtrade-System als dem derzeit einzigen Gütesiegel-System des Fairen Handels in der Praxis umgesetzt werden.

Zur entwicklungspolitischen Bedeutung des Fairtrade-Siegels erläuterte Heinz Fuchs, Vorstandsvorsitzender TransFair e.V.: „Das Siegel garantiert einen existenzsichernden Preis für die Erzeuger, der nicht nur die Produktionskosten deckt, sondern den Produzenten ein Leben in Würde und Investitionen in ihre Zukunft ermöglichen.“ Die zusätzliche Fairtrade-Prämie stärke darüber hinaus soziale Infrastruktur, z.B. Gesundheitsvorsorge, Schulen und Weiterbildungsprojekte. Handelsbeziehungen seien bewusst langfristig angelegt, das sichere eine nachhaltige Entwicklung. „Fairtrade ist ein entwicklungspolitisches Projekt, das zur Bekämpfung von Armut und zur Ernährungssicherheit beiträgt.“

Andrea Fütterer, Vorstand Forum Fairer Handel, betonte die Bedeutung des Fairen Handels über die reine Handelstätigkeit hinaus: „Der Faire Handel will nicht „Inseln der Glückseligkeit“ schaffen inmitten der rauen Wirklichkeit des internationalen Welthandels. Daher engagieren sich Fair-Handels-Organisationen über faire Handelsbedingungen für Produzentenorganisationen im Süden hinaus auch in Bildungsarbeit und Advocacy hierzulande, um Konsumentenverhalten zu beeinflussen und auf politischer Ebene die internationale
Handelspolitik gerechter zu gestalten.“ Die positiven Wirkungen des Fairen Handels entstünden durch diese Vielfältigkeit des Ansatzes.

Neben dem Fairtrade-Siegel stehen die Marken der anerkannten Fair-Handels-Organisationen, u.a. BanaFair, dwp, El Puente und GEPA – The Fair Trade Company, für den Fairen Handel. Fair gehandelte Produkte finden sich in tausenden Supermärkten, im Naturkosthandel, im Versandhandel, in Cafés und Kantinen. Die 800 Weltläden in Deutschland bieten als Fachgeschäfte des Fairen Handels die ganze Vielfalt fair gehandelter
Produkte.

Hier ein Faltblatt, das die Gegenüberstellung der verschiedenen Siegel zusammenfasst.



Schöne, neue Bananenrepublik

Der Bananenkonzern Chiquita will endlich von seiner dunklen Vergangenheit loskommen und bemüht um ein grünes Image, indem er seine Früchte mit dem Gütesiegel der industriefreundlichen “Rainforest Alliance” schmückt. In einem aktuellen Artikel der Süddeutschen Zeitung kommentiert ein Gewerkschafter aus Costa Rica, was davon zu halten ist:

Es habe sich nichts geändert auf den Plantagen, die Arbeitsbedingungen seien unmenschlich, die Umwelt sei verseucht, Gewerkschaftsarbeit werde behindert. “Und diese ganzen Zertifizierungen sind nichts anderes als ein Vollwaschgang fürs Firmenimage”, sagt er. Was man erwarte, wenn sich Organisationen wie Rainforest Alliance für ihre Dienste von den Konzernen entlohnen ließen? “Wer die Musik zahlt, bestimmt, was getanzt wird.” Wenn die Zertifizierer kämen, würden die Arbeiter “ausstaffiert wie Astronauten”. Das alles sei ein großes Geschäft, auch für die Zertifizierer.

Rainforest-Mitbegründer Chris Wille stellt dies zwar in Abrede, stellt aber klar:

Wie in Costa Rica Früchte angebaut würden, bestimme letztlich der Markt. Was Aldi zum Beispiel bezahlt, gilt in Deutschland für die meisten Supermarktketten als Maßstab.



Fairständnis für McDonald’s?

Auf der Online-Plattform Aktiv gegen Kinderarbeit findet man immer wieder interessante Berichte über globale Ausbeutung durch multinationale Unternehmen. Manchmal allerdings werden auch Meldungen über angebliche Aktivitäten der Konzerne im Rahmen ihrer “Corporate Social Responsibility” (CSR) relativ unkritisch übernommen, wie jüngst im Fall von McDonald’s: McDonald’s hat fairstanden – zertifizierter Kaffee im Schnellrestaurant, berichtet die vom Netzwerk EarthLink betriebene Seite da: Der mit dem Gütesiegel der Rainforest Alliance versehene Kaffee garantiere die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards, welche u.a. auch das Verbot von Kinderarbeit einschließen.

Ich habe dazu folgenden Kommentar gepostet, den ich - zusammen mit den Reaktionen der Betreiber - hier leicht gekürzt wiedergeben möchte, weil die darin enthaltenen Argumente immer wieder auftauchen: (weiterlesen…)