OÖN: “Nehmt die Welt den Multis wieder weg”
Klaus Werner-Lobo legt sich gerne mit Mächtigen an. Der Buchautor („Schwarzbuch Markenfirmen“, „Uns gehört die Welt!“) nimmt es mit milliardenschweren mulitnationalen Konzernen auf und versucht, Auswege aus der Kapitalismuskrise zu zeigen. Ein Gespräch über Geld, Gier und gesellschaftliche Gestaltung.
Von Klaus Buttinger, Oberösterreichische Nachrichten
OÖN: Konjunkturabschwung, Globalisierungsängste, Finanzkrise…. Da fühlt man sich als Einzelner oft ohnmächtig, weil alles so kompliziert ist. Ist es das denn wirklich?
Werner-Lobo: Die Dinge sind kompliziert, weil sie so vernetzt sind. Wobei die Leute, die in dieser Komplexität entscheiden, davon oft nicht mehr verstehen als wir alle. In diesem Netz gibt es Leute, die egoistische Machtinteressen vertreten. In Wahrheit ist das nicht kompliziert. Bill Clinton hätte gesagt: „It’s the economy, stupid!“ Wenn wir uns die Finanzkrise oder die Probleme in Zusammenhang mit Migration, Rassismus, Umweltzerstörung oder Arbeitsplatzverlust anschauen, stehen ökonomische Interessen dahinter, was nicht sehr kompliziert ist.
OÖN: Ökonomische Interessen, das heißt schlicht Profit?
Werner-Lobo: Ja, in den meisten Fällen, aber auch Macht und Einfluss.
OÖN: Und wer sind nun die Bösen im System der Ökonomie?
Werner-Lobo: Man kann nicht sagen: die bösen Reichen und die guten Armen. Aber man kann sagen: Das System, in dem wir leben, ist so gestaltet, dass es nicht mehr den Interessen der Menschen dient, nicht einmal mehr den der Reichen. Es gibt Studien, wonach ab einem gewissen Reichtum das selbst empfundene Unglück der Reichen steigt und psychopathologische Krankheiten bei Managern oder Superreichen gehäuft auftreten. Böse ist eine Ideologie, die sich heute mit dem Spruch von Saturn „Geiz ist geil“ benennen lässt. (weiterlesen…)




