Beiträge zum Stichwort ‘ Lohas ’

Buchempfehlung: “Ende der Märchenstunde”

Es ist ja hier schon viel Kritisches über sogenannte LOHAS und Corporate Social Responsibility geschrieben worden. Nun hat Kathrin Hartmann ein wichtiges Buch zu diesem Thema geschrieben: “Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt”. Für den Buchdeckel habe ich folgenden Kommentar beigesteuert:

Nach “Geiz ist geil” und der Privatisierung öffentlicher Güter folgt die Privatisierung von Politik und ethischer Verantwortung. Das “gute Gewissen” wird dabei allzu schnell zum Ruhekissen. Dieses Buch wird Die wachrütteln, denn wer in der Demokratie schläft, wird irgendwann in der Diktatur des Marktes aufwachen.

Seit kurzem betreibt Kathrin Hartmann auch ein lesenswertes Weblog, in dem sie auf aktuelle Absurdidäten und Zynismen der Greenwashing-Industrie hinweist.



Zündfunk: Ethischer Konsum, oder: Kann man sich eine bessere Welt kaufen?

Bayern 2: ZÜNDFUNK - Generator vom 12.7.09

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Mit dem Buch “No Logo” der kanadischen Autorin Naomi Klein ertönte im Jahr 2000 eine neue Stimme in der globalisierungskritischen Bewegung. Klein führte zum ersten Mal auf, unter welchen Bedingungen stylische Klamotten oder Laptops von transnational agierenden Unternehmen produziert werden. Die Folge waren Kampagnen, Proteste und ein Bewusstseinswandel, der weit über die globalisierungskritische Bewegung hinaus ging: Als Konsument hat man Macht! Das dachten sich von da an auch Menschen, die sich vorher eher weniger um Politik geschert haben. Die fair gehandelte Banane erlebte einen kometenhaften Aufstieg und mit ihr kamen die LOHAS - die, die die Idee vom ethischen Konsum zum Lifestyle erhoben. Aber: Kann man sich wirklich eine bessere Welt kaufen? Der Zündfunk spricht darüber mit Christoph Harrach von Karmakonsum.de, bekennender LOHAS-Anhänger, sowie mit Claudia Langer, Gründerin von utopia.de. Ihr Credo frei nach Mahatma Ghandi: Fang bei dir selbst an, wenn du was ändern willst. Klaus Werner-Lobo, Autor von “Schwarzbuch Markenfirmen”, gehen Informationsnetzwerke für nachhaltiges Leben aber nicht weit genug - ebensowenig wie Hagen Pfaff von attac: Denn kauft man sich mit der fair gehandelten Banane nicht einfach nur ein gutes Gewissen?



jetzt.de: Zum Beispiel Konsum - Lohas werden die Welt nicht retten

jetztde Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de

Seit Organisationen wie Greenpeace die Kampagne für saubere Kleidung und Publikationen wie das Schwarzbuch Markenfirmen auf Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, globale Ausbeutung und Umweltzerstörung durch multinationale Unternehmen hinweisen, wollen immer mehr Menschen ihre Konsumprodukte aus ethisch und ökologisch „korrekter“ Herkunft beziehen. Häufig erhalte ich Anfragen, ob man diese oder jene Marke denn mit reinem Gewissen kaufen könne. Verlage drängen mich, doch endlich ein „Weißbuch Markenfirmen“ zu schreiben, also sozusagen eine Liste ethisch „unbedenklicher“ Marken.

Auch wenn ich damit womöglich viel Geld verdienen könnte: Eine solche Liste wird es von mir nicht geben. Weil es erstens unmöglich ist, weltweit agierende Konzerne mit Tausenden Zulieferbetrieben so umfassend zu kontrollieren, dass man sie „freisprechen“ könnte. Zweitens hat jeder Multi, der seine Profite auf Basis der Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern erwirtschaftet, ein systematisches Interesse daran, diese Unterschiede aufrecht zu erhalten: Das liegt nicht an „bösen“ oder unwilligen ManagerInnen, sondern an einem Wirtschaftssystem, das Ausbeutung ökonomisch belohnt und so zur Geschäftsgrundlage macht.

Natürlich gibt es Hunderttausende kleine und mittlere Firmen, denen eine ökologisch und sozial nachhaltige Wirtschaftsweise wichtiger ist als die schnelle Rendite. Doch ein „Weißbuch“ über meinen Lieblingsschuster oder die Fahrradhändlerin ums Eck würde Leserinnen und Leser in Frankfurt, Budapest oder Buenos Aires relativ wenig interessieren. (weiterlesen…)



Planet Interview: Klaus Werner-Lobo

Planet Interview, 11.3.2009:

Herr Werner-Lobo, gibt es einen Konzern, den Sie gerne loben würden?
Werner-Lobo: Nein, es gibt keine multinationalen Unternehmen, die gut sind. Multinationale Unternehmen sind deswegen multinationale Unternehmen, weil sie von Ausbeutung profitieren. Ihr Zweck ist, von den Einkommensunterschieden in der Welt zu profitieren. Deswegen sind sie auch daran interessiert, diese Einkommensunterschiede aufrecht zu erhalten.

Sie meinen damit jedes international aufgestellte Unternehmen?
Werner-Lobo: Es gibt schon internationalen Handel, der vergleichsweise gut ist. Kaffee, Kakao oder Bananen gibt es bei uns nun mal nicht. Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel zertifiziert sind, werden so gehandelt, dass davon alle Beteiligten etwas haben. Eigentlich müssten 100 Prozent des Welthandels Fairtrade sein, so dass man nicht die Profite oder den Shareholder Value zum Ziel erhebt, sondern menschlichen Wohlstand und Gerechtigkeit unter Beachtung der ökologischen Grenzen dieses Planeten. (weiterlesen…)



LOHAS - Mythos und Wirklichkeit

via Glocalist:

Eine Studie der Berliner Unternehmensberatung stratum legt ernüchternde Ergebnisse über sogenannte “LOHAS”  (Lifestyle Of Health And Sustainability) vor: Menschen, die in Deutschland “Nachhaltigkeit” zur Leitlinie ihres Konsumverhaltens machen, seien eher unpolitisch, harmoniebedürftig, konservativ und ichbezogen.

Während die klassischen “Ökos” Konsum prinzipiell für problematisch erklären, uns an die schweren ökologischen Rucksäcke und den viel zu großen Ressourcen-Fußabdruck unseres Lebensstils gemahnen, kombiniere der “Neue Öko” Konsumfreude, Produktbegeisterung und Ästhetik mit Informationen über Energieverbrauch, Ökobilanz und Recyclierbarkeit. Er wolle damit jedoch auf keinen Fall die Welt retten, sondern nur in seinem eigenen Lebensumfeld verantwortlich handeln.

Auf diese Weise gewinnen Öko-Themen zwar eine größere gesellschaftliche Breite, aber gleichzeitig werden die Zielgruppen resistent gegen Aufklärung, erklärt stratum-Geschäftsführer Richard Häusler.

Seit dem Beginn des Biobooms in Deutschland spekulieren Markt- und Trendforscher über den neuen grünen Lebensstil, der im 21. Jahrhundert in unsere Gesellschaft Einzug hält. Anders als die Ökobewegung der 80er- und 90er-Jahre definiert sich der neue Trend der “LOHAS” nicht mehr durch Verzicht und Protest, sondern durch die Verbindung von ökologischer Orientierung und Konsum. Dem “Lifestyle of health and sustainability” werden hohe Kaufkraft und eine starke Sogwirkung zugeschrieben. Über 12 Millionen Konsumenten in Deutschland seien auf dem Weg zum “LOHAS”, prognostizieren Konsumforscher laut stratum.



Gut gemeint ist das Gegenteil von…

Vom 15. bis 28.09 2008 findet in Deutschland die Faire Woche (eigentlich ja zwei Wochen) statt. Unter dem Motto ”Doppelt gut! Bio im Fairen Handel” sind zahlreiche Veranstaltungen von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten, Kantinen und Einzelpersonen geplant - mit dem gemeinsamen Ziel, den Fairen Handel in Deutschland ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Eine scheinbar gute Idee hatte in diesem Sinne der Weblogger Christoph Harrach von karmakonsum.de (laut taz eines der führenden Medien der LOHAS-Szene, sogar mit eigener Hymne):

Er rief zum Fair-Trade-Blogkarneval und erklärte sich selbst zum Fairtrade-Man: Er werde am 15.9. einen 14-tägigen Selbstversuch starten, ob er nur von fair gehandelten Lebensmitteln leben könne - mit täglichem Video.

Die Aktion, die an etwas aufwändigere Versuche wie Supersize Me oder Ein Jahr ohne “Made in China” erinnert, wurde von vielen Bloggern wohlwollend zitiert. Doch was bedeutet das eigentlich, sich nur mit Produkten zu ernähren, die das Fairtrade-Gütesiegel tragen?

Es heißt, so gut wie ausschließlich Waren zu konsumieren, die in ärmeren, weit entfernten Ländern angebaut werden. Früher nannte man diese Waren Kolonialwaren - eben weil sie aus den kolonialisierten Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zu uns gelangten. Und auch wenn das Fairtade-Gütesiegel bessere soziale und arbeitsrechtliche Standards für die ProduzentInnen garantiert, ist es weder sozial noch ökologisch sinnvoll, den Menschen in diesen Ländern ihre Nahrungsmittel wegzunehmen und sie über tausende Kilometer in die reichen Länder zu transportieren. Wegnehmen? Ja, wegnehmen: Denn es ist - trotz Fairtrade und damit im regionalen Vergleich besseren Löhnen - letztendlich die Armut, die zum Export zwingt, was in den meisten Ländern wiederum die Hauptursache für Hunger ist.

Bananen, Kakao, Kaffee, Tee etc. aus dem zertifizierten Fairem Handel sind eben nur die bessere Alternative, als diese Produkte “konventionell”, also von profitorientierten Importeuren zu kaufen. Sich komplett mit Kolonialwaren zu ernähren dient zwar vielleicht dem ausgeprägten Lifestyle-Bedürfnis vieler “Lohas”, ist aber letztendlich - ja, kolonialistisch. Wer wirklich “gut” konsumieren möchte, sollte so regional und ökologisch wie möglich einkaufen. Auch das wäre einen “Selbstversuch” wert - und wirklich fairtrade.