Beiträge zum Stichwort ‘ Konzerne ’

Bananenrepublik: Zum Beispiel Dole

jetztde Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de

Letzte Woche habe ich eine Erklärung dafür angekündigt, warum ich den globalisierten Kapitalismus der Multis für nichts anderes halte als für eine beschleunigte und anonymere Form kolonialer Ausbeutung. Weil’s mich aber gerade so ärgert, möchte ich diesmal doch noch ein aktuellen Vorfall loswerden. Es geht nämlich um den Supermarkt bei mir ums Eck.

Screenshot von der Dole-Website

Der wirbt seit Neuestem mit dem Slogan Genießen und dabei Gutes tun für den Kauf von DOLE-Bananen. DOLE ist der weltweit größte Obstproduzent. Gemeinsam mit Chiquita und Del Monte dominiert der Konzern bereits seit rund hundert Jahren den Handel mit Südfrüchten. In einigen Ländern Lateinamerikas waren diese Firmen jahrzehntelang so mächtig, dass man noch heute von Bananenrepubliken spricht: Sie eigneten sich dort riesige Ländereien an, Arbeits- und Gewerkschaftsrechte wurden mit Füßen getreten, ausbeuterische Kinderarbeit und die Vergiftung Tausender Menschen mit verbotenen Pflanzenschutzmitteln war fast schon die Regel. Mithilfe des US-Militärs und der CIA wurden sogar demokratisch gewählte Regierungen gestürzt, wenn sie sich den Interessen der Obstkonzerne widersetzten. (weiterlesen…)



Planet Interview: Klaus Werner-Lobo

Planet Interview, 11.3.2009:

Herr Werner-Lobo, gibt es einen Konzern, den Sie gerne loben würden?
Werner-Lobo: Nein, es gibt keine multinationalen Unternehmen, die gut sind. Multinationale Unternehmen sind deswegen multinationale Unternehmen, weil sie von Ausbeutung profitieren. Ihr Zweck ist, von den Einkommensunterschieden in der Welt zu profitieren. Deswegen sind sie auch daran interessiert, diese Einkommensunterschiede aufrecht zu erhalten.

Sie meinen damit jedes international aufgestellte Unternehmen?
Werner-Lobo: Es gibt schon internationalen Handel, der vergleichsweise gut ist. Kaffee, Kakao oder Bananen gibt es bei uns nun mal nicht. Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel zertifiziert sind, werden so gehandelt, dass davon alle Beteiligten etwas haben. Eigentlich müssten 100 Prozent des Welthandels Fairtrade sein, so dass man nicht die Profite oder den Shareholder Value zum Ziel erhebt, sondern menschlichen Wohlstand und Gerechtigkeit unter Beachtung der ökologischen Grenzen dieses Planeten. (weiterlesen…)



Krisenmanagement à la BAYER

via Coordination gegen BAYER-Gefahren:

Für BAYER geht trotz Krise alles seinen kapitalistischen Gang: Die Aktionäre erhalten Rekorddividenden und die Beschäftigten im Gegenzug Arbeitszeit- und Lohnkürzungen. “Wir müssen an den Prinzipien der freien Marktwirtschaft festhalten. Alles andere wäre auf  lange Sicht verheerend”, so lautet der verheerenden Lage der freien Marktwirtschaft zum Trotz das Credo von Konzern-Chef Werner Wenning.

Von Jan Pehrke, Stichwort BAYER 1/2009 (kostenloses Probeheft unter CBGnetwork@aol.com)

“Selbstverständlich wollen wir auch Sie, sehr geehrte Aktionäre, an unserer positiven Geschäftsentwicklung teilhaben lassen”, verkündete BAYER im aktuellen Geschäftsbericht. Das mit einem Gewinn von 6,9 Milliarden Euro erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte führte zu eine Rekord-Ausschüttung von über einer Milliarde Euro. Von Finanzminister Peer Steinbrück, der von den AGs einen Dividenden-Verzicht gefordert hatte, ließ sich der Konzern dabei nicht beirren - die 1,40 Euro pro Aktie mussten sein. Eine “im derzeit trüben Umfeld ungewöhnliche Dividenden-Meldung” war das für die FAZ. Und ungewöhnlich ist diese umso mehr, als der Leverkusener Multi vor kurzem selbst noch im Trüben gefischt hatte. (weiterlesen…)



fluter.de: “Ich verstehe mich als Mensch und nicht als Verbraucher”

Klaus Werner-Lobo im Interview mit Mark Hammer für fluter.de:

Klaus Werner-Lobo, Jahrgang 1967, lebt in Wien. Seit er mit elf Jahren einen Schulaufsatz über Atomkraft geschrieben hat, engagiert er sich für die Umwelt und für Gerechtigkeit und Freiheit. Vor kurzem erschien mit “Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis” sein erstes globalisierungskritisches Buch für Jugendliche. Im Interview erzählt er von seiner Sicht der Welt und ihrer Mechanismen.

Mark Hammer: Herr Werner-Lobo, gibt es einen Konzern, den Sie gerne loben würden?

Klaus Werner-Lobo: Nein, es gibt keine multinationalen Unternehmen, die gut sind. Multinationale Unternehmen sind deswegen multinationale Unternehmen, weil sie von Ausbeutung profitieren. Ihr Zweck ist, von den Einkommensunterschieden in der Welt zu profitieren. Deswegen sind sie auch daran interessiert, diese Einkommensunterschiede aufrecht zu erhalten.

Sie meinen damit jedes international aufgestellte Unternehmen?

Es gibt schon internationalen Handel, der vergleichsweise gut ist. Kaffee, Kakao oder Bananen gibt es bei uns nun mal nicht. Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel zertifiziert sind, werden so gehandelt, dass davon alle Beteiligten etwas haben. Eigentlich müssten 100 Prozent des Welthandels Fairtrade sein, so dass man nicht die Profite oder den Shareholder Value zum Ziel erhebt, sondern menschlichen Wohlstand und Gerechtigkeit unter Beachtung der ökologischen Grenzen dieses Planeten.

Konfliktkosten

Sie haben 2001 erstmals das “Schwarzbuch Markenfirmen“ veröffentlicht, in dem Sie auf die Machenschaften der großen Konzerne aufmerksam machen, auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung etc. Haben die Firmen eigentlich auf Ihre Kritik reagiert, hat sich etwas verändert?

Das “Schwarzbuch Markenfirmen” hat wie jede Konzernkritik Konfliktkosten erzeugt. Wenn ich so ein Buch publiziere, dann entsteht einem Konzern ein Imageschaden. Der ist betriebswirtschaftlich messbar. Dieses Geld könnte der Konzern, um das in Zukunft zu vermeiden, in Verbesserungen investieren. Jetzt investieren sie aber nur einen kleinen Teil in Verbesserungen und einen großen Teil geben sie dafür aus, dass über die Verbesserungen geredet wird.

Das nennt sich dann “Corporate Social Responsibility” (CSR), also soziale Unternehmensverantwortung. Die Räuber geben aber nur einen winzigen Teil ihres Raubguts zurück. In den Zulieferbetrieben von Adidas oder Nike wird man heute vielleicht weniger Kinder finden als vor ein paar Jahren. Allerdings werden die erwachsenen Beschäftigten nach wie vor so schlecht bezahlt, dass sie ihre Familien nicht ernähren können. Deren Kinder müssen auf der Straße arbeiten, damit sie überleben können. Weiterlesen…



Zum Beispiel Globalisierung

jetztde Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de

Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation. Ich zum Beispiel habe Freunde und Freundinnen in Brasilien, im Kongo und Australien, mit denen ich in verschiedenen Sprachen fast gratis chatten, E-Mails verschicken und via Skype online telefonieren kann. Als Journalist kann ich im Internet auf die Archive der New York Times oder einer kleinen indischen Zeitung zugreifen, mir von Menschenrechtsgruppen in Hong Kong oder Nigeria Informationen schicken lassen und per Weblog mit Leuten auf der ganzen Welt kommunizieren. Ich lade mir die Musikfiles internationaler Bands und DJs herunter und sehe mir auf YouTube Filme aus aller Welt an. Außerdem genieße ich fair gehandelten Kaffee aus Bolivien, Schokolade aus Ghana und Bananen aus Costa Rica. Und hin und wieder steige ich in ein Flugzeug, um fremde Kulturen kennen zu lernen, obwohl ich weiß, dass das aus ökologischer Sicht gar nicht gut ist und es sich nur wenige Menschen leisten können. (weiterlesen…)



Adidas: Diskriminierung von GewerkschafterInnen in Indonesien

via Kampagne für ‘Saubere’ Kleidung

Keine Diskriminierung von Gewerkschaftern in Indonesien!
Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung fordert adidas auf, sich für entlassene Gewerkschafter einzusetzen.
Aufgrund ihres Engagements für Arbeitsrechte suchen MitgliederInnen indonesischer Gewerkschaften verzweifelt nach neuen Jobs. Sie hatten ihre Arbeit bei den adidas Zulieferern PT Spotec und PT Panarub in den letzten Jahren verloren.
In seinem Verhaltenskodex sichert adidas allen ArbeiterInnen Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zu. In der Praxis allerdings werden GewerkschaftsmitgliederInnen häufig diskriminiert; insbesondere bei der Suche nach Anstellung werden sie benachteiligt. Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung fordert adidas deshalb auf, sich aktiv für die ArbeitsrechtlerInnen einzusetzen!

Senden auch Sie eine Protestemail an adidas! Online-Protestaktion unter: sauberekleidung.de und inkota.de



Check your brand!

Eine neue Datenbank der Clean Clothes Kampagne liefert dank einer europaweiten Firmenbefragung und Analyse erstmals standardisierte und untereinander vergleichbare Porträts von Bekleidungsunternehmen. Über 50 Unternehmen wurden in der Datenbank der Clean Clothes Kampagne erfasst.

Check your brand! Alle Firmenprofile in englischer Sprache.

Check your brand! Ausgewählte Firmenprofile in deutscher Sprache.

Beispiele: Asics Fila Intersport Mizuno New Balance Nike Palmers Triumph Vögele Wolford



Korrupte Mediziner und das Pharma-Kartell

Hans Weiss, der mit mir das Schwarzbuch Markenfirmen geschrieben hat, hat mit Korrupte Medizin einen neuen Bestseller gelandet: Wieder einmal wechselte er seine Identität und wird Pharma-Consultant. Erschreckendes Ergebnis seiner Recherchen: Weite Bereiche unserer Medizin stehen unter der Kontrolle der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Ärzte - vom Klinikchef bis zum Allgemeinarzt - machen sich zu gut bezahlten Handlangern.

Nun beleuchtet auch das ZDF-Magazin Frontal21 das Pharma-Kartell: Pharmaunternehmen können in Deutschland nach Einschätzung verschiedener Experten fast ungestört ihre Profitinteressen verfolgen. Das geht zu Lasten der Patienten, wenn dabei Nebenwirkungen verschwiegen, Selbsthilfegruppen instrumentalisiert oder Politiker, Ärzte und Heilberufe mit Gefälligkeiten umworben werden. Christian Esser und Astrid Randerath decken in der Frontal21-Dokumentation auf, wie dieses System funktioniert.



Wie Hunger gemacht wird: “Halb Madagaskar zum Nulltarif!”

Hunger ist kein Schicksal, sondern täglicher Massenmord für die Profite multinationaler Konzerne. Hier ein aktuelles Beispiel aus der Presse von Reinhard Schanda:

Der Daewoo-Konzern sichert sich mehr als die Hälfte der anbaufähigen Fläche Madagaskars – ohne für die Pacht zu zahlen: Neues vom „freien“ Welthandel.

Der südkoreanische Konzern Daewoo Logistics pachtet 1,3 Millionen Hektar anbaufähiges Land auf Madagaskar für einen Zeitraum von 99 Jahren, um dort Mais und Palmöl anzubauen und die Ernte nach Südkorea zu verschiffen. Dadurch soll die Lebensmittelversorgung in Südkorea gesichert werden. Daewoo zahlt voraussichtlich nichts für diese Pacht; die Gegenleistung besteht allein darin, durch den Ackerbau neue Arbeitsplätze für Landarbeiter in Madagaskar zu schaffen. Madagaskar verfügt insgesamt über 2,5 Millionen Hektar anbaufähige Fläche. Daewoo sichert sich also mehr als die Hälfte der in Madagaskar verfügbaren anbaufähigen Fläche.

Madagaskar ist arm. Das World Food Programme muss schon jetzt 3,5 Prozent der Einwohner mit Lebensmitteln versorgen. Ungefähr 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren leiden wegen unzureichender Ernährung an Entwicklungsverzögerungen. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Durchschnittseinkommen liegt unter einem Dollar pro Tag.

Nach den Regeln der Marktwirtschaft macht es Sinn, die Produktionsmittel für Lebensmittel den Ärmsten wegzunehmen: In armen Ländern kann wegen niedrigerer Lohnkosten und niedrigerer Kosten für Grund und Boden billiger produziert werden. Am meisten Sinn macht es also, Lebensmittel in den ärmsten Ländern der Welt billig zu produzieren und in den reichsten Ländern der Welt zum dortigen Preisniveau, also viel teurer, zu verkaufen. So funktioniert Marktwirtschaft in einer Welt des liberalisierten Welthandels. Weiterlesen…



Clean Clothes: Flashmob bei Adidas und Puma in Berlin

Am Wochenende organisierten 40 AktivistInnen aus Polen, Österreich und Deutschland einen Flashmob bei adidas und puma in Berlin. Denn trotz immenser Gewinne nach Olympia und der Fußball EM hat sich beispielsweise bei den Löhnen der Arbeiterinnen und Arbeiter nichts getan.