Netzwerk Recherche: Undercover-Journalismus
Interview über Klaus Werner-Lobos Recherchen im Kongo
Medien Monitor, 16.3.09:
Eine Kalaschnikow zielt auf seine Brust. Ein Kindersoldat auf Drogen will Geld von ihm sehen, am liebsten 100 Dollar. Sein gesamtes Geld: alles in der Bauchtasche. Aber hier, mitten im Kongo, braucht er das Geld zum Überleben. Er ist auf sich allein gestellt. Angefangen hatte alles mit einer erfundenen E-Mail-Adresse.
Klaus Werner-Lobo interessiert sich nicht nur für die Geschichten vor seiner Haustür, der Journalist hat das Weltgeschehen im Blick. Globalisierung, Kriege, Unmenschlichkeit, das sind seine Themen. Schon seit Jahren beobachtet er den Kongo-Krieg, der seit dem Beginn im Jahr 1996 über fünf Millionen Todesopfer gefordert hat. Es ist wohl der schlimmste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg. Klaus Werner-Lobo beobachtet, was passiert und kommt dabei auf eine heiße Spur. (weiterlesen…)
Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de
Vergangene Woche habe ich multinationalen Konzernen die Ausbeutung von Menschen - etwa in Afrika - vorgeworfen. Davor sprach ich sogar von „Raubzügen“ – eine Ausdrucksweise, die einige jetzt.de-LeserInnen offenbar als sehr drastisch empfanden.
Heute möchte ich dafür ein konkretes Beispiel nennen, das ich selbst recherchiert habe: Ende 2000 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht über den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo - mit fünf Millionen Toten in fünf Jahren der größte Konflikt der Welt seit 1945. Laut UNO ging es dabei vor allem um Tantal, ein wertvolles Metall, das unter anderem für die Herstellung von Handys benötigt wird: Unterschiedliche Gruppen kämpften um den Zugang zu den Rohstoffminen und finanzierten ihren Krieg mit Einnahmen aus dem Edelmetall. Ein Teufelskreis. (weiterlesen…)
Für das Schwarzbuch Markenfirmen konnte ich 2001 belegen, wie der Bayer-Konzern jahrelang den illegalen Handel mit dem wertvollen Erz Coltan und damit den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo finanzierte. Eine Nacherzählung meiner Undercover-Recherchen und ihrer Folgen findet sich auch in Uns gehört die Welt!
Heute Mitternacht sendet der ZDF eine Doku über das blutige Metall und kritisiert dabei auch Firmen wie Sony, Samsung und Motorola:
Das schmutzige Geschäft mit dem Coltan
“Ich bin 15 Jahre”, ruft der staubbedeckte Junge. Der Kleine neben ihm ist noch keine zehn. Beide haben rissige, schwielige Hände und in ihren Augen ist längst nichts mehr zu lesen von einer unbefangenen Kindheit. Sie schuften in den Coltan-Minen des Kongo.
Coltan, das ist ein Metall, nach dem die Welt giert, weil jedes Handy es zum Betrieb braucht, das es aber nur in Australien und Afrika gibt. Coltan ist ein Schatz für die einen und ein Fluch für die anderen.
In den unwegsamen Bergen des östlichen Kongo hacken es Männer, Jugendliche und Kinder aus dem kalkigen Boden. Wenn sie Glück haben, können sie das wertvolle Coltan selbst an Händler weiterverkaufen. Doch meist holen es sich die Rebellen, die damit ihren blutigen Kampf gegen die Regierung finanzieren. Wer nicht mehr arbeiten kann, weil ihn die Maloche in der schwülen Hitze ausgelaugt hat, wird einfach geköpft oder erschossen.
Patrick Forestier hat sich in das Gebiet der Minen und der Rebellen gewagt. Er hat mit ihrem Anführer, General Laurent Kunda gesprochen. Der hält sich für einen modernen Robin Hood, einen Gesandten Gottes. Kein Wort zu der Sklavenarbeit in den Minen, kein Wort darüber, dass seine Leute Frauen in diese Minen verschleppen und dort quälen und missbrauchen lassen. Patrick Forestier ist es gelungen, ganz nah zu den Opfern und auch zu den Sklaven in den Minen vorzudringen.
Er zeigt auch die illegalen Wege, auf denen das Coltan aus den Wäldern des Kongo heraus und nach Asien und Europa geschmuggelt wird. Mit versteckter Kamera folgt er der Spur des “Schwarzen Goldes”, wie die Afrikaner Coltan nennen, entlarvt die Händler. Keiner gibt zu, mit Coltan zu handeln, doch er entdeckte es in versteckten Lagern.
Firmen wie Sony, Samsung, Motorola und all die anderen Handy-Produzenten wissen, dass Coltan ein Metall ist, an dem Blut klebt, das täglich Menschenleben fordert. Doch sie unternehmen nichts, sie kaufen weiter das begehrte Metall von dubiosen Händlern, vor allem in Belgien - nur damit auf der Sonnenseite der Erde schon kleinste Kinder mobil telefonieren können.