Beiträge zum Stichwort ‘ Kinderarbeit ’

Noch immer Kindersklaverei für Kakaokonzerne

In Westafrika arbeiten nach Schätzungen des International Institute of Tropical Agriculture rund 284.000 Kinder auf Kakao-Plantagen. Zwischen zehn- und zwanzigtausend von ihnen wurden als SklavInnen an die Farmen verkauft - oft nur für 25 Euro. Unter dem Druck der Öffentlichkeit versprach 2001 die International Cocoa Initiative, zu der auch führende Nahrungmittelkonzerne wie Kraft Foods, Mars und Nestlé gehören, bis 2005 ein Ende der Kindersklaverei in der westafrikanischen Kakaoproduktion zu garantieren.

Weil das nicht gelang, wurde eine Nachfrist bis 1. Juli 2008 beschlossen. Noch 2007 wies die BBC nach, dass nach wie vor tausende Kinder mit Macheten die gefährliche Arbeit auf den Kakaoplantagen verrichten. Doch auch nun sind die Schokoladenfirmen laut dem International Labor Rights Forum nicht in der Lage, die Beseitigung der Kinderarbeit in der Kakaoproduktion nachzuweisen. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit  von ausbeuterischer Kinderarbeit und von Kinderhandel in der Schokoladenindustrie sei heute genauso groß wie vor acht Jahren, während die Konzerne falsche Angaben über die Zertifizierung machen würden und über deren angebliche Verbesserungsmaßnehmen der Konzerne nichts bekannt sei.

Der vollständige Bericht steht hier zum Download bereit.



Tchibo T-Shirts mit Hinweis auf Kinderarbeit

Vor ein paar Wochen habe ich mich ja mit dem Namen Ikea Sucks als Ikea-Family-Mitglied registriert. Die Bloggerin Kirsten Brodde (danke Helge für den Hinweis) hatte eine besonders gute Idee: Sie bestellte im Online-Shop von Tchibo T-Shirts mit folgenden Aufdrucken und schaffte damit sogar eine Berichterstattung auf Spiegel online:

Danach stellte sie sich vor eine Tchibo-Filiale in Hamburg - mit ihrer Neuerwerbung und einem Schild: “Fragen Sie mich nach meinem T-Shirt!” Tchibo reagierte, so wie Nike bei einer ähnlichen Aktion, not amused. Der Fokus Kinderarbeit und der Ton der Aktivistin seien unfair, entscheidendere Missstände seien zu niedrige Löhne, die nicht zum Leben reichen oder die fehlende Gewerkschaftsfreiheit der Leute, die in Textilfabriken arbeiten. Ja, eh. Aber wieso profitiert Tchibo dann davon?

Das Interessante für mich ist, dass sich solche Aktionen mittlerweile per Weblogging wie ein Lauffeuer verbreiten. Das heißt: Mit einer guten Idee können auch Einzelpersonen und kleine Initiativen große Aufmerksamkeit für öffentliche Anliegen hervorrufen, ohne sich den Marktmechanismen klassischer Medien anzubiedern. Das stimmt eigentlich optimistisch.

Ich habe natürlich auch gleich versucht, mir bei Tchibo T-Shirts zu bestellen, doch die sind dort nun “leider bereits vergriffen”. Dafür habe ich jetzt beim Tchibo-Lieferanten Spreadshirt einen Testversuch gemacht und folgendes Motiv bestellt; mal sehen ob sie es liefern:

Update 27.6.: Spreadshirt hat mit das Teil tatsächlich geschickt. Nur: Was tu ich jetzt damit? Wenn niemand eine bessere Idee hat schenke ich es der ersten Person, die bereit ist, vor meinen Augen das Logo eines bekannten Markenartiklers aus ihrem Shirt rauszuschneiden…



Fairständnis für McDonald’s?

Auf der Online-Plattform Aktiv gegen Kinderarbeit findet man immer wieder interessante Berichte über globale Ausbeutung durch multinationale Unternehmen. Manchmal allerdings werden auch Meldungen über angebliche Aktivitäten der Konzerne im Rahmen ihrer “Corporate Social Responsibility” (CSR) relativ unkritisch übernommen, wie jüngst im Fall von McDonald’s: McDonald’s hat fairstanden – zertifizierter Kaffee im Schnellrestaurant, berichtet die vom Netzwerk EarthLink betriebene Seite da: Der mit dem Gütesiegel der Rainforest Alliance versehene Kaffee garantiere die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards, welche u.a. auch das Verbot von Kinderarbeit einschließen.

Ich habe dazu folgenden Kommentar gepostet, den ich - zusammen mit den Reaktionen der Betreiber - hier leicht gekürzt wiedergeben möchte, weil die darin enthaltenen Argumente immer wieder auftauchen: (more…)



H&M: UNICEF soll´s richten

via Aktiv gegen Kinderarbeit:

„No To Child Labour“, „Green Is The New Black“, „Affordable Not Disposable“, „Respect for the Individual“ – diese Slogans prangen auf dem Deckblatt des Social Corporate Responsibility-Reports 2007, den das Textilunternehmen H&M kürzlich veröffentlichte.Doch bereits in der Einleitung erhalten diese hochtrabenden Ansprüche einen Dämpfer. „[...]we have little scope to directly influence conditions that far back in the extented supply chain“ steht da geschrieben. Und weiter: „However we do recognize the importance of the issue an address it through the BCI an by supporting UNICEF’s work in cotton producing areas in India. We feel that they can achieve results where we as a buyer of the end product cannot.“

Damit bezieht sich H&M auf die Anschuldigungen im letzten Jahr. Im November 2007 war bekannt geworden, dass H&M Baumwolle von Feldern in Usbekistan bezieht, auf denen auch Kinder arbeiteten.

Doch mit dieser Aussage ist niemandem geholfen. Der Textilriese stiehlt sich aus der Verantwortung und degradiert gemeinnützige Organisationen wie die Unicef zum Ausputzer in der weltumspannenden Produktionskette.

Wer den 30-seitigen Bericht dennoch lesen will, kann dies hier tun.



Werbeartikel der Linkspartei: Made in Bangladesch

via Aktiv gegen Kinderarbeit:

“Die jetzige Form der Globalisierung führt zu großem Leid und großem Elend”. Auf diese Weise formuliert Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine die Konsequenzen der zunehmenden Vernetzung der Welt. Xaver Glass, ein Jura-Studenten aus Frankfurt am Main, enthüllte nun die Doppelmoral hinter dieser Aussage. Nach einer Mensa-Debatte über die Ehrlichkeit der Parteien beim Thema Globalisierung bestellte er im Online-Shop der Linkspartei das Produkt P000097. Ein rotes T-Shirt mit dem unauffälligen Logo der Partei- Preis: 8,50 Euro. `Made in Bangladesh` prangt auf dem Etikett. Mindestlöhne, hierzulande ein Progammpunkt der Linken, außerhalb Deutschlands anscheinend kein Thema.

Dabei wären sie dort noch bedeutender: “Bangladesch ist ein schreckliches Beispiel”, sagt Jörg Köther, Sprecher der für die Textilbranche zuständigen Gewerkschaft IG Metall. Im Sommer 2006 kam es aus Protest gegen einen monatlichen Mindestlohn von umgerechnet elf Euro sogar zu Unruhen. Die IG Metall unterstützt eine Kampagne für “saubere Kleidung” (Clean Clothes Campain). “Sauber” ist Kleidung, welche ohne Kinder- oder Zwangsarbeit und unter Einhaltung sozialer Mindeststandards produziert wurde.

Bei der Linkspartei ist man sich indes keiner Schuld bewusst und reicht den scharzen Peter an die produzierenden Firmen weiter. Pikant: Ebenfalls im Online-Shop der Linken erhältlich, ist ein Buch, welches Aufsätze zum Thema “Globale Gerechtigkeit” enthält. Der Titel: “Eine andere Welt”.



Über diese Seite

Willkommen auf der Vernetzungsplattform zum Buch Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis von Klaus Werner-Lobo, das im September 2008 im Carl Hanser Verlag erscheint. Die Welt wird von multinationalen Konzernen und Multimillionären als Ware betrachtet, mit der man Profite machen kann. Menschenrechte, Demokratie, Wohlstand und eine gesunde Umwelt bleiben dabei auf der Strecke. Jetzt geht es darum, dass wir aufstehen und sagen: Das ist unsere Welt, wir lassen uns nicht verkaufen! Und schon gar nicht lassen wir uns für dumm verkaufen! (more…)



Kinderarbeit in Indien für GAP