Beiträge zum Stichwort ‘ Kakao ’

Schokoguerrilla wieder unterwegs - und “Kraft Foods” ist sauer

Soeben hat mich die PR-Verantwortliche von Kraft Foods Deutschland kontaktiert. In deutschen Supermärkten seien folgende Aufkleber auf den Produkten ihres Konzerns zu finden:

kraftOb ich damit etwas zu tun habe, fragte sie, um mir gleich darauf am Telefon zu erklären, dass ihre Firma sich doch ohnehin so sehr bemühe, etwas gegen Kindersklaverei zu unternehmen. Und zitierte etwa die Zusammenarbeit mit der Rain Forest Alliance, die hier (und in meinem Buch)  mehrfach als Feigenblatt-Organisation entlarvt wird. Und was die menschenunwürdigen Bedingungen im Kakaoanbau betrifft, so berichtete erst kürzlich die “Zeit” wieder über die unzulänglichen Aktivitäten der Lebensmittelkonzerne.

Und ja, ich hab was damit zu tun: Weil “Uns gehört die Welt!” ausdrücklich folgende Aktionsform zur Nachahmung empfiehlt. Das gilt auch weiterhin - umso mehr, als solche Aktionen ganz offensichtlich für große Unruhe in den Konzernzentralen sorgen.

Eine meiner Lieblingsaktionen fand statt, nachdem ich mit einer Gruppe Jugendlicher im Saarland einen Workshop gehalten hatte. Ich hatte ihnen von den westafrikanischen Kindersklaven in der Kakaoernte für Firmen wie Kraft, Nestlé und andere erzählt. Die Kids waren stinksauer. Und sie wollten etwas tun. So entstand die Idee, KonsumentInnen über die Zustände in Afrika zu informieren. Wir kauften Klebeetiketten, auf die wir folgenden Text druckten: „Verbraucherinformation der Schokoguerrilla: Der Kakao für dieses Produkt wurde von Kindersklaven geerntet. Weitere Infos: www.markenfirmen.com“. Auf diese Homepage stellten wir kurzfristig detailliertere Hintergrundinfos. Dann schwärmten die Jugendlichen in Fünfergruppen aus, um die Aufkleber in allen örtlichen Supermärkten auf jedes Kakao- und Schokoladeprodukt zu kleben. In einem Geschäft wurde die selbsternannte „Schokoguerrilla“ vom Kaufhausdetektiv erwischt. Doch sie waren gut vorbereitet: Wir hatten diesen Fall bereits vorher in Rollenspielen geprobt. Die Jugendlichen hielten dem erstaunten Wachmann einen Kurzvortrag über die Produktionsbedingungen an der Elfenbeinküste, worauf dieser sagte: „Eigentlich habt ihr recht“. Am nächsten Tag klebte die „Verbraucherinformation“ noch immer auf allen Milka- und KitKat-Riegeln. (Uns gehört die Welt!, Seite 178)



Die Zeit: “So süß und doch so bitter”

Die Zeit, 17.12.09, von Kathrin Burger

Die Deutschen lieben Schokolade und wissen oft nicht um die menschenunwürdigen Bedingungen im Kakaoanbau

Gut elf Kilogramm Schokolade pro Kopf gönnen sich die Deutschen im Jahr und belegen damit Platz eins auf der Welt. Deutschlands Hersteller setzten 2008 allein mit weihnachtlichen Schoko-Artikeln fast 500 Millionen Euro um. Allerdings hat der Genuss auch einen bitteren Beigeschmack, von dem viele Verbraucher gar nichts ahnen. Noch immer werden Kakaobohnen häufig von Kindern angebaut, unter menschenunwürdigen Bedingungen.
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An der Elfenbeinküste – von dort stammen 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohkakaos – arbeiten laut Schätzungen der Organisation Anti-Slavery International rund 200.000 Kinder im Kakaoanbau. Und obwohl sich die Schokoladenindustrie vor rund zehn Jahren verpflichtet hat, derlei Missstände zu beseitigen, kommen jüngste Berichte zu einem anderen Schluss: Eine im September erschienene Studie des kirchennahen Instituts Südwind belegt, dass sich die Lage in den betroffenen Staaten, wenn überhaupt, nur unwesentlich gewandelt hat. Weiterlesen…



Noch immer Kindersklaverei für Kakaokonzerne

In Westafrika arbeiten nach Schätzungen des International Institute of Tropical Agriculture rund 284.000 Kinder auf Kakao-Plantagen. Zwischen zehn- und zwanzigtausend von ihnen wurden als SklavInnen an die Farmen verkauft - oft nur für 25 Euro. Unter dem Druck der Öffentlichkeit versprach 2001 die International Cocoa Initiative, zu der auch führende Nahrungmittelkonzerne wie Kraft Foods, Mars und Nestlé gehören, bis 2005 ein Ende der Kindersklaverei in der westafrikanischen Kakaoproduktion zu garantieren.

Weil das nicht gelang, wurde eine Nachfrist bis 1. Juli 2008 beschlossen. Noch 2007 wies die BBC nach, dass nach wie vor tausende Kinder mit Macheten die gefährliche Arbeit auf den Kakaoplantagen verrichten. Doch auch nun sind die Schokoladenfirmen laut dem International Labor Rights Forum nicht in der Lage, die Beseitigung der Kinderarbeit in der Kakaoproduktion nachzuweisen. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit  von ausbeuterischer Kinderarbeit und von Kinderhandel in der Schokoladenindustrie sei heute genauso groß wie vor acht Jahren, während die Konzerne falsche Angaben über die Zertifizierung machen würden und über deren angebliche Verbesserungsmaßnehmen der Konzerne nichts bekannt sei.

Der vollständige Bericht steht hier zum Download bereit.