Beiträge zum Stichwort ‘ Interview ’

La Repubblica delle Donne: Dodici Domande

Klaus Werner-Lobo im Interview mit der italienischen La Repubblica delle Donne (N°652, S.67):

bild-11 bild-2 bild-3



Das Interview: “Geld hat keinen Geschlechtsverkehr”

„Das Interview“,  Österreichs erstes Interview-Magazin, ist ein Projekt des Journalismus-Instituts der Fachhochschule Wien. Für die Juliausgabe hat Peter Babutzky hat mit Klaus Werner-Lobo gesprochen:

Sind Sie eigentlich froh, dass diese Wirtschaftskrise ausgebrochen ist?

Froh kann man nicht sein. Denn die Verlierer sind wieder die Armen. Die Finanzkrise ist ja nicht das eigentliche Problem, sondern die Antwort auf die Krise ist die Katastrophe.

Warum?

Der Turbokapitalismus geht weiter. Es werden jetzt Milliarden in die Banken und in die Autoindustrie gesteckt, ohne dass die Verursacher der Krise dafür geradestehen. Im Gegenteil: Sie profitieren sogar davon.

Wenn man den Banken nicht die Milliarden geben würde, dann würde doch das ganze Wirtschaftssystem zusammenbrechen.

Klar, die Gesellschaft muss die Banken retten. Dann gehören die Banken aber auch uns und nicht ein paar Wunderheinis.

Das bedeutet verstaatlichen?

Ja. Aber nicht im Stil der 1970er Jahre. Die Banken müssen demokratisiert werden.

Was bedeutet „demokratisieren“?

Die Bevölkerung soll die wirtschaftlichen Ziele der Banken bestimmen. Banken sollen wieder ihre ursprünglichen Funktionen einnehmen: Risiken finanzieren, Investitionen machen, mit Geld aushelfen. Die wirtschaftlichen Ziele sollen demokratisch bestimmt werden.

Wollen Sie eine gerechte Welt im kapitalistischen System? Ist das überhaupt möglich?

Nein. Kapitalismus verspricht uns, dass sich Geld quasi von selber vermehrt. Geld hat aber keinen Geschlechtsverkehr, und ich habe auch noch nie einen Geldschein arbeiten gesehen. Reichtum vermehrt sich nur, wenn jemand dafür arbeitet. Wenn man das nicht selbst tut, müssen andere oder die Umwelt ausgebeutet werden.

Viele Ökonomen sagen aber, dass die Globalisierung eine Win-Win-Situation ist und vom Kapitalismus alle profitieren.

Das stimmt nicht. Die Erde hat nur begrenzte Ressourcen. Wenn einige diese Ressourcen im Übermaß
nutzen, dann verlieren andere. Wenn alle so leben würden wie die Durchschnittseuropäer, dann bräuchten wir zweieinhalb Erden, um alle Menschen zu ernähren.

Sogar Alexander Van der Bellen hat in einem Interview gesagt, dass der Kapitalismus das effizienteste System sei, das je erfunden wurde.

Ja, schon. Aber die Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten war auch effizient. Effizienz ist kein Kriterium für Menschlichkeit. Der Kapitalismus ist effizient in der Steigerung von Egoismus und Konkurrenzdenken. Menschlichkeit zählt in diesem Wirtschaftssystem nicht.

Möglicherweise neigt der Mensch eher zu Konkurrenz als zu Kooperation…

Nein, das ist falsch. Hirnforscher und Psychologen wie Arno Gruen oder Horst Eberhard Richter bestätigen, dasss wir Menschen alle Anlagen in uns tragen - von extrem grausam bis zu extrem liebevoll. Aber: Wenn unser Wirtschaftssystem Arschlochqualitäten belohnt, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass Menschen Arschlöcher werden.

Schließt Reichtum Anstand aus?

Der absurde Reichtum der Multimillionäre ist unanständig, weil in einem begrenzten System wie der Erde übermäßiger Reichtum nur auf Kosten Ärmerer möglich ist – das ist Diebstahl.

Sind wirklich alle so schlecht? McDonald’s unterstützt zum Beispiel mit seinen Ronald McDonald Häusern kranke Kinder.

Also Ronald McDonald ist wirklich mein Feind.

Warum?

McDonald’s hat sein Geld durch schlimmste Formen von Ausbeutung gewonnen. Das ist so, als ob ein Schwerverbrecher jede Menge Leute umlegt. Und um seinen Ruf wieder zu verbessern, spendet er fünf Euro an den Opferfonds. Das ist das, was Ronald McDonald macht.

Wird die Wirtschaftskrise eine Trendumkehr weg vom Kapitalismus bewirken?

Heute kann man wieder Kapitalismuskritik anbringen, weil jeder kapiert hat, dass etwas an diesem System nicht stimmt. Bis vor kurzem konnte man das Wort Kapitalismus gar nicht in den Mund nehmen, ohne gleich als Stalinist bezeichnet zu werden.

Muss etwa die Marktwirtschaft abgeschafft werden?

Marktwirtschaft kann in kleinen Bereichen vernünftig sein. Aber sie kann nicht das einzige Wirtschaftsmodell sein. Es muss die Möglichkeit bestehen, dass Menschen nicht nach den Regeln von Profitmaximierung leben.

Wie soll dann aber eine alternative Wirtschaftsordnung aussehen?

Die wichtigste politische Forderung ist die Umverteilung. In den letzten Jahrhunderten ist das Vermögen immer von unten nach oben gewandert. Diese Entwicklung muss wieder umgekehrt werden. Zum Beispiel durch Vermögens- und Erbschaftssteuern. Das oberste Ziel von Wirtschaft sollte aber Glück sein und nicht Profit.

Aber wie können ohne das Gesetz von Angebot und Nachfrage etwa Preise entstehen?

Diese Frage sollte von der Gesellschaft demokratisch beantwortet werden. Die Preise für Luxusgüter können meinetwegen marktwirtschaftlich entstehen, allerdings müssen sie die ökologischen und sozialen Folgekosten beinhalten. Lebenswichtige Güter wie Wohnen oder Grundnahrungsmittel dürfen dem Profit-Prinzip aber nicht unterworfen werden. In diesen Bereichen muss reguliert werden.

Also Planwirtschaft?

Nein, es geht nicht um einen autoritären Top-Down-Ansatz, sondern um demokratisch vereinbarte Spielregeln. Gesetze und Steuersysteme sollten nicht den Shareholder-Value belohnen, sondern den Nutzen für die Gesellschaft. Dafür brauchen wir eine Demokratisierung auf allen Ebenen: auf lokaler, globaler, aber auch auf betrieblicher Ebene.

Sie wollen, dass die Mitarbeiter eines Betriebs über die Unternehmensziele abstimmen?

Durchaus. In Argentinien haben die Belegschaften Unternehmen übernommen, die von ihren Eigentümern in der Wirtschaftskrise fallengelassen wurden – seither arbeiten sie viel effizienter und produktiver.

Ihr neues Buch hat den Titel „Uns gehört die Welt“. Gehört sie wirklich uns?

Ökonomisch gesehen gehört sie den Reichen und Konzernen. Doch es ist immer noch unsere Welt. Und jeder sollte seinen Einfluss nutzen, um für eine gerechtere Weltordnung einzutreten. Wir müssen Räume schaffen, die nicht von der kapitalistisischen Profit-Logik dominiert sind.



Salzburger Nachrichten: Hofnarr der Globalisierung

Konzernkritik. Der Salzburger Klaus Werner-Lobo übt profunde Kritik an Missständen der Globalisierung. Als Buchautor und Clown.

Von Helmut Kretzl, Salzburger Nachrichten vom 6.6.2009

Klaus Werner-Lobo zeigt im Buch „Uns gehört die Welt“ schonungslos die Praktiken von Großkonzernen auf. Kernaussage: Multis steigern ihre Gewinne dank Globalisierung in ungeahnte Höhen, während Demokratie, Umwelt und Menschenrechte auf der Strecke bleiben. Er zeigt, wie Konzerne mit autoritären Regimes zusammenarbeiten und welche Rolle Kinderarbeit spielt.

Hat Sie der Ausbruch der Krise überrascht?

Werner-Lobo: Von mir und meinen Freunden hat sich niemand gewundert, wir waren nur überrascht, dass sich alle darüber wundern. Das war noch lang nicht alles. Denn es gibt keine wie immer geartete Kehrtwende, der Shareholder-Value und die systematische Profitgier sind nach wie vor politischer Mainstream. Die Finanzkrise ist erst der Anfang einer großen Wirtschaftskrise, wenn wir nicht endlich einen radikalen Wechsel hin zu solidarischen und ökologischen Wirtschaftsformen schaffen.

Was ist schuld an der Krise?

Werner-Lobo: Dass die neoliberale Wirtschaftspolitik das Profitstreben und den Shareholder-Value als oberstes Wirtschaftsziel belohnt, also durch Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung den Anspruch aufgegeben hat, die Gesellschaften und die Umwelt vor egomanischen Partikularinteressen zu schützen. Das gilt ja weiterhin: Es gibt keine Anzeichen, dass etwa Steueroasen geschlossen, Vermögen und hohe Einkommen angemessen besteuert oder globale Arbeits-, Umwelt- und Menschenrechte gesetzlich geregelt würden.

Sind die beschlossenen Maßnahmen eine adäquate Antwort auf die Probleme?

Werner-Lobo: Nicht im geringsten. (weiterlesen…)



taz: Interview mit Klaus Werner-Lobo “Die Elite missbraucht das System”

die tageszeitung, 18.4.2009:

Der taz-Kongress ist eröffnet: Teilnehmer, Clown und Kapitalismuskritiker Klaus Werner-Lobo sagt: Ökologisch und sozial shoppen reicht nicht mehr. Wir brauchen eine solidarische Ökonomie.

taz: Herr Werner-Lobo, für den Spiegel gehören Sie zu den zehn wichtigsten Menschen, die die Antiglobalisierungsbewegung mit repräsentieren. Schmeichelt Ihnen das?

Klaus Werner-Lobo: Das ist ja völlig übertrieben, wenn ich in eine Reihe mit Noam Chomsky, Naomi Klein und Michael Moore gestellt werde. Mein Buch war erfolgreich, ja. Aber vor allem bin ich nicht glücklich mit dem Begriff Globalisierungsgegner.

Kein gutes Label?

Erstens will ich mehr Globalisierung. Wir leben in einer globalisierten Welt, das ist eine Tatsache, da kann man dagegen sein oder dafür, das ist völlig belanglos. Ich will eine Globalisierung von Menschenrechten, von Sozialrechten, von Umweltschutz, überhaupt von Demokratie, von Rechtsstaatlichkeit. (weiterlesen…)



Netzwerk Recherche: Undercover-Journalismus

Interview über Klaus Werner-Lobos Recherchen im Kongo



Deutschlandradio Kultur: Interview mit Klaus Werner-Lobo

20. März 2009
23:05

Deutschlandradio Kultur: Interview mit Klaus Werner-Lobo in der Sendung Fazit Spezial Live von der Lit.Cologne 2009



Medien Monitor: Bei den Rohstoffrebellen

Medien Monitor, 16.3.09:

Eine Kalaschnikow zielt auf seine Brust. Ein Kindersoldat auf Drogen will Geld von ihm sehen, am liebsten 100 Dollar. Sein gesamtes Geld: alles in der Bauchtasche. Aber hier, mitten im Kongo, braucht er das Geld zum Überleben. Er ist auf sich allein gestellt. Angefangen hatte alles mit einer erfundenen E-Mail-Adresse.

Klaus Werner-Lobo interessiert sich nicht nur für die Geschichten vor seiner Haustür, der Journalist hat das Weltgeschehen im Blick. Globalisierung, Kriege, Unmenschlichkeit, das sind seine Themen. Schon seit Jahren beobachtet er den Kongo-Krieg, der seit dem Beginn im Jahr 1996 über fünf Millionen Todesopfer gefordert hat. Es ist wohl der schlimmste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg. Klaus Werner-Lobo beobachtet, was passiert und kommt dabei auf eine heiße Spur. (weiterlesen…)



Planet Interview: Klaus Werner-Lobo

Planet Interview, 11.3.2009:

Herr Werner-Lobo, gibt es einen Konzern, den Sie gerne loben würden?
Werner-Lobo: Nein, es gibt keine multinationalen Unternehmen, die gut sind. Multinationale Unternehmen sind deswegen multinationale Unternehmen, weil sie von Ausbeutung profitieren. Ihr Zweck ist, von den Einkommensunterschieden in der Welt zu profitieren. Deswegen sind sie auch daran interessiert, diese Einkommensunterschiede aufrecht zu erhalten.

Sie meinen damit jedes international aufgestellte Unternehmen?
Werner-Lobo: Es gibt schon internationalen Handel, der vergleichsweise gut ist. Kaffee, Kakao oder Bananen gibt es bei uns nun mal nicht. Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel zertifiziert sind, werden so gehandelt, dass davon alle Beteiligten etwas haben. Eigentlich müssten 100 Prozent des Welthandels Fairtrade sein, so dass man nicht die Profite oder den Shareholder Value zum Ziel erhebt, sondern menschlichen Wohlstand und Gerechtigkeit unter Beachtung der ökologischen Grenzen dieses Planeten. (weiterlesen…)



Juventud Rebelde: La oscura mancha de las marcas

Interview der kubanischen Jugendzeitung Juventud Rebelde mit Klaus Werner-Lobo:

Este periodista austríaco, autor del volumen El libro negro de las marcas, asegura a JR que detrás de las marcas se aglutina toda clase de violaciones de los derechos humanos

Por Jaisy Izquierdo, 08 de marzo de 2009

Klaus Werner. Foto: cortesía del entrevistadoNunca he entendido muy bien la adicción a las «marcas» que ataca hoy día a muchos jóvenes, quizá porque acceder a ellas no ha estado a tono con mis expectativas de consumo. Pero salvando las discusiones sobre la moda, el sello de calidad prometido, las esperanzas publicitarias de ser más atractivos, saludables o exitosos; mucho más allá, nos queda el letargo de grandes castillos que reposan sobre el fango.

No es tema desconocido que detrás —y sobre todo encima— de las grandes corporaciones se encuentran la destrucción del medio ambiente y la explotación de países más pobres. Pero nunca imaginé que llegaran a tanto. (weiterlesen…)



fluter.de: “Ich verstehe mich als Mensch und nicht als Verbraucher”

Klaus Werner-Lobo im Interview mit Mark Hammer für fluter.de:

Klaus Werner-Lobo, Jahrgang 1967, lebt in Wien. Seit er mit elf Jahren einen Schulaufsatz über Atomkraft geschrieben hat, engagiert er sich für die Umwelt und für Gerechtigkeit und Freiheit. Vor kurzem erschien mit “Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis” sein erstes globalisierungskritisches Buch für Jugendliche. Im Interview erzählt er von seiner Sicht der Welt und ihrer Mechanismen.

Mark Hammer: Herr Werner-Lobo, gibt es einen Konzern, den Sie gerne loben würden?

Klaus Werner-Lobo: Nein, es gibt keine multinationalen Unternehmen, die gut sind. Multinationale Unternehmen sind deswegen multinationale Unternehmen, weil sie von Ausbeutung profitieren. Ihr Zweck ist, von den Einkommensunterschieden in der Welt zu profitieren. Deswegen sind sie auch daran interessiert, diese Einkommensunterschiede aufrecht zu erhalten.

Sie meinen damit jedes international aufgestellte Unternehmen?

Es gibt schon internationalen Handel, der vergleichsweise gut ist. Kaffee, Kakao oder Bananen gibt es bei uns nun mal nicht. Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel zertifiziert sind, werden so gehandelt, dass davon alle Beteiligten etwas haben. Eigentlich müssten 100 Prozent des Welthandels Fairtrade sein, so dass man nicht die Profite oder den Shareholder Value zum Ziel erhebt, sondern menschlichen Wohlstand und Gerechtigkeit unter Beachtung der ökologischen Grenzen dieses Planeten.

Konfliktkosten

Sie haben 2001 erstmals das “Schwarzbuch Markenfirmen“ veröffentlicht, in dem Sie auf die Machenschaften der großen Konzerne aufmerksam machen, auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung etc. Haben die Firmen eigentlich auf Ihre Kritik reagiert, hat sich etwas verändert?

Das “Schwarzbuch Markenfirmen” hat wie jede Konzernkritik Konfliktkosten erzeugt. Wenn ich so ein Buch publiziere, dann entsteht einem Konzern ein Imageschaden. Der ist betriebswirtschaftlich messbar. Dieses Geld könnte der Konzern, um das in Zukunft zu vermeiden, in Verbesserungen investieren. Jetzt investieren sie aber nur einen kleinen Teil in Verbesserungen und einen großen Teil geben sie dafür aus, dass über die Verbesserungen geredet wird.

Das nennt sich dann “Corporate Social Responsibility” (CSR), also soziale Unternehmensverantwortung. Die Räuber geben aber nur einen winzigen Teil ihres Raubguts zurück. In den Zulieferbetrieben von Adidas oder Nike wird man heute vielleicht weniger Kinder finden als vor ein paar Jahren. Allerdings werden die erwachsenen Beschäftigten nach wie vor so schlecht bezahlt, dass sie ihre Familien nicht ernähren können. Deren Kinder müssen auf der Straße arbeiten, damit sie überleben können. Weiterlesen…