Beiträge zum Stichwort ‘ Ethik ’

Ethiker: “CSR und Wirtschaftsethik im Gespräch”

Die Online-Tageszeitung Ethiker hat nicht nur ausführlich über meinen Vortrag in Görlitz berichtet, sondern dort auch ein umfangreiches Interview mit mir geführt, das nun online ist:

Ich möchte mit der Frage beginnen, ob sie die beschriebenen Praktiken genannter Firmen im Buch auch verstehen können als ein temporäres Phänomen bezüglich etablierten Wirtschaftsgebarens hinsichtlich des Übergangs von einzelwirtschaftlichem Handeln hin zu globalem Handeln. Etwas salopp: Glauben sie, dass die Globalisierungsbewegung erst noch erwachsen werden muss?

Nein, sie sprechen hier zwei verschiedene Sachen an. Das, was die Konzerne machen, ist einfach das, was immer schon gemacht wurde im Kapitalismus, nur der hat sich jetzt globalisiert und globalisiert heißt, es gibt keine Grenzen mehr – weder räumliche, noch zeitliche noch logistische - es ist alles schneller – und mit Hilfe des Internets- ist es anonymer geworden. Es gibt keine globalen Regeln. (weiterlesen…)



Buchempfehlung: Neue Werte

Christian Felber: Neue Werte für die Wirtschaft. Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus. Deuticke 2008

Christian Felber hat soeben sein opus magnum veröffentlicht, in dem er nichts weniger als ein neues Wirtschaftssystem jenseits von Kommunismus und Kapitalismus ausrufen möchte. Sein Ziel: Dass in der Wirtschaft dieselben humanen Werte gelten mögen wie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das ist nicht alles neu und findet sich zum Beispiel bereits in anarchistischen Theorien, auch wenn diese im Buch (warum eigentlich nicht?) keine Erwähnung finden.

Minutiös und mit einer fast unpackbaren Fülle an Beispielen und Zitaten belegt Christian, dass der Kapitalismus seine eigenen Versprechen wie Freiheit und Wohlstand nicht einlöst und dass seine Grundpfeiler wie Wettbewerb und Gewinnstreben konsequenterweise menschliches Leid und die Zerstörung des Planeten verursachen. Stattdessen fordert der Autor politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, die das Gemeinwohl anstelle des Profitdenkens als oberstes Ziel des Wirtschaftens (”Werte schaffens”) setzen sollen.

Das Buch ist schon wegen seiner überaus klaren Argumentation lesenswert, und ebenso weil es dankenswerterweise auch “soziale Marktwirtschaft” und “Corporate Social Responsibility” als das entlarvt, was sie sind: halbschwanger. Keine Antwort wird man auf die Frage finden, auf welche Weise das herrschende System das Feld räumen soll, um den Vorschlägen des Autors Platz zu machen. Gutes Zureden allein wird wohl nicht reichen.