Beiträge zum Stichwort ‘ CSR ’

Konzerne mit Feigenblatt

Das Online-Portal utopia.de hat eine Liste der Top Ten der  Greenwasher erstellt. So nennt man Unternehmen, die sich ein grünes Image erkaufen, um damit die graue Realität der eigenen Umweltsünden zu kaschieren. Mit gekauften Experten und Studien, ausgestattet mit Geld, Medienmacht und Beziehungen erschaffen sie die Illusion der eigenen Nachhaltigkeit.

Die ersten Plätze gingen an BP und das Deutsche Atomforum, dahinter folgen BMW, Bayer, der Deutsche Braunkohle-Industrieverein, Vattenfall, BAE Systems, Airbus & Lufthansa, Burson-Marsteller und - für viele vielleicht überraschend - die Öko-Zertifizierung. Letzere schließee nämlich weit reichende umweltschädliche Produktionsfolgen nicht aus - so trägt zum Beispiel die Urananreicherungsanlage Urenco das Emas-Zertifikat, und auch das französische Atomkraftwerk Fessenheim ist mit dem Gütesiegel ISO 14001 ausgezeichnet.



Moment: “Migration ist die effizienteste Entwicklungshilfe”

Maria Sterkl hat mich für die Menschenrechtsgazette Moment von SOS Mitmensch zum Thema Wirtschaftsflucht interviewt. Das komplette Magazin steht hier zum Download bereit.

Herr Werner, es hat sich ein Bild der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden verfestigt, das von einer permanenten Hilfsleistung für den Süden ausgeht. Sie behaupten aber, es verhält sich genau umgekehrt. Inwiefern profitieren wir von der Armut des Südens?

Kapital, Rohstoffe und Dienstleistungen in Form von billiger Arbeitskraft gehen aus den ärmeren Ländern in die reicheren Länder. Das macht eine enorme Summe aus. Allein die Zinszahlungen für die so genannten Schulden betragen 370 Milliarden Dollar pro Jahr. Das heißt: Der Süden leistet massive Entwicklungshilfe an den Norden – vermutlich in der Höhe von mindestens 1500 Milliarden Dollar pro Jahr. Das ist das 15-fache der weltweiten staatlichen Entwicklungshilfe. Das Geld geht in den Norden – aber die Menschen sollen nicht kommen. (more…)



Ethiker: “CSR und Wirtschaftsethik im Gespräch”

Die Online-Tageszeitung Ethiker hat nicht nur ausführlich über meinen Vortrag in Görlitz berichtet, sondern dort auch ein umfangreiches Interview mit mir geführt, das nun online ist:

Ich möchte mit der Frage beginnen, ob sie die beschriebenen Praktiken genannter Firmen im Buch auch verstehen können als ein temporäres Phänomen bezüglich etablierten Wirtschaftsgebarens hinsichtlich des Übergangs von einzelwirtschaftlichem Handeln hin zu globalem Handeln. Etwas salopp: Glauben sie, dass die Globalisierungsbewegung erst noch erwachsen werden muss?

Nein, sie sprechen hier zwei verschiedene Sachen an. Das, was die Konzerne machen, ist einfach das, was immer schon gemacht wurde im Kapitalismus, nur der hat sich jetzt globalisiert und globalisiert heißt, es gibt keine Grenzen mehr – weder räumliche, noch zeitliche noch logistische - es ist alles schneller – und mit Hilfe des Internets- ist es anonymer geworden. Es gibt keine globalen Regeln. (more…)



Fairständnis für McDonald’s?

Auf der Online-Plattform Aktiv gegen Kinderarbeit findet man immer wieder interessante Berichte über globale Ausbeutung durch multinationale Unternehmen. Manchmal allerdings werden auch Meldungen über angebliche Aktivitäten der Konzerne im Rahmen ihrer “Corporate Social Responsibility” (CSR) relativ unkritisch übernommen, wie jüngst im Fall von McDonald’s: McDonald’s hat fairstanden – zertifizierter Kaffee im Schnellrestaurant, berichtet die vom Netzwerk EarthLink betriebene Seite da: Der mit dem Gütesiegel der Rainforest Alliance versehene Kaffee garantiere die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards, welche u.a. auch das Verbot von Kinderarbeit einschließen.

Ich habe dazu folgenden Kommentar gepostet, den ich - zusammen mit den Reaktionen der Betreiber - hier leicht gekürzt wiedergeben möchte, weil die darin enthaltenen Argumente immer wieder auftauchen: (more…)



Olympiareife CSR

Die Olympischen Spiele in China bringen wenigstens ein bisschen mediale Aufmerksamkeit für ein paar Menschenrechts-Facts, die sonst gerne ignoriert werden, weil man mit der kommukapitalistischen Diktatur so gut Geschäfte machen kann.

Human Rights Watch hat einen Bericht über die 12 Hauptsponsoren der Spiele veröffentlicht. Darunter Coca-Cola, Johnson & Johnson, Kodak, Lenovo, McDonald’s, Panasonic, Samsung und Visa. Kernaussage: Deren Bekenntnisse zur Sozialen Unternehmensverantwortung (CSR) seien nichts als heiße Luft: (more…)



CSR-Lüge revisited

Das Feigenblatt beginnt zu rutschen. Wollen wir wirklich wissen, was dahinter steckt? Nicht nur KonsumentInnen, sondern auch Medien fragen sich endlich, was denn dran sei an der “Sozialen Unternehmensverantwortung”. Nach trend (s.u.) und Kölner Stadtanzeiger hat mich nun auch das feurige Jugend-Onlinemagazin chilli.cc gefragt, was wir den CSR-Predigern glauben sollen.

„CSR fördert einen langfristigen Vertrauensaufbau zwischen Unternehmen und Zielgruppen und sichert die Akzeptanz der marktwirtschaftlich-liberalen Wirtschaft“, sagt da einer von ihnen. Damit sagt er zumindest, worum’s geht. Im Winde wiegt sich das Feigenblatt.



Trend: “Das böse Geschäft mit dem guten Gewissen”

Das österreichische Wirtschaftsmagazin trend hat mich interviewt und eine kritische und gut recherchierte Titelgeschichte zum Thema “Corporate Social Responsibility” verfasst (Anm. die Printversion geht weit über die online-Version hinaus).

Das Schöne daran: Anders als die meisten Publikationen der letzten Zeit kommt der Artikel ohne den krampfhaften Versuch aus, an der Selbstbeweihräucherung der Konzerne auf Teufel komm raus (und an der Realität vorbei) was Gutes zu finden. Keine Hybridauto-Hymnen und keine LOHAS-Euphorie. Auch Labels wie das der Rainforest-Alliance, die Chiquita, Kraft Foods & Co. als “fair” zertifiziert (ich nenne das Fairtrash) werden als “billiger Ausweg” erkannt. Bravo!