Beiträge zum Stichwort ‘ Bangladesh ’

H&M in Bangladesch: Ausbeutung, Schläge und Nötigung

Fabrikarbeiter und Näherinnen eines H&M Lieferanten in Bangladesch erheben schwere Vorwürfe. Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ in seiner heutigen Ausgabe um 21:45 Uhr im Ersten.

Arbeiter der Textilfabrik „House of Sunshine“ in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, die im Oktober entlassen wurden, sagen im Interview, dass sie von ihren Vorarbeitern geschlagen werden, wenn sie ihr Arbeitspensum nicht erfüllen. Näherinnen werfen den Fabrikaufsehern Nötigung vor. Die Frauen müssten sich mit ihren Vorgesetzten einlassen oder Bestrafungen in Form von Mehrarbeit oder Lohnabzug erdulden. Erniedrigungen und Belästigungen der weiblichen Mitarbeiter seien an der Tagesordnung. „House of Sunshine“ produziert seit langem für den Modekonzern H&M. In der Fabrik arbeiten rund 1.700 Menschen.

Die Arbeiter erklären, dass sie zu Überstunden gezwungen würden. Die Überstunden überschritten regelmäßig die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenzen. Oft müsse sieben Tage die Woche gearbeitet werden. Pro Monat würden lediglich zwei freie Tage gewährt. Damit verstoße die Firma systematisch gegen geltende Rechtsvorschriften, gegen internationale Standards sowie gegen den H&M Verhaltenskodex für Lieferanten. Der Zulieferbetrieb zahle, mit umgerechnet 40 bis 50 Euro im Monat (inklusive der Vergütung von Überstunden) - auch für die Verhältnisse in Bangladesch - einen extrem geringen Lohn.

REPORT MAINZ traf die Arbeiter und Näherinnen in Slums an. Viele von ihnen wohnen dicht gedrängt in einfachsten Behausungen, ohne fließendes Wasser. Die sanitären Anlagen sind absolut unzureichend.

In einer Stellungnahme räumt H&M Deutschland gegenüber REPORT MAINZ ein, dass die Firma ‚House of Sunshine’ „mehrere male von H&M Mitarbeitern besucht und untersucht“ worden sei. Ein Unternehmenssprecher: „Hierbei mussten wir weit reichende Probleme und Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Verhaltenskodex von H&M feststellen, die trotz verschiedener Maßnahmen seitens H&M anfangs keine Besserung erkennen ließen.“ H&M habe daraufhin vor etwa einem Jahr durchgesetzt, dass die Firma ihr Management auswechselte. „Dieser Wechsel und die starken Interventionen von H&M führten zu viel versprechenden Verbesserungen in den letzten Monaten.“ teilte der H&M Pressestelle in Hamburg REPORT MAINZ mit. „So hat beispielsweise ein Worker’s Welfare Committee seine Arbeit aufgenommen, ein neuer ‚Welfare Officer’ wurde eingestellt und ein funktionierendes Beschwerdesystem eingerichtet“.

In seiner Stellungnahme räumt H&M ein, der „übermäßige Einsatz von Überstunden“ sei nach wie vor „ein bestehendes Problem“ in Bangladesch.
H&M habe sich entschieden, die Zusammenarbeit mit der Firma fortzusetzen. Der Konzern kündigte an, „Nichtsdestotrotz wird die weitere Entwicklung durch H&M genau beobachtet und gleichzeitig Verbesserungen unterstützt werden.“



Werbeartikel der Linkspartei: Made in Bangladesch

via Aktiv gegen Kinderarbeit:

“Die jetzige Form der Globalisierung führt zu großem Leid und großem Elend”. Auf diese Weise formuliert Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine die Konsequenzen der zunehmenden Vernetzung der Welt. Xaver Glass, ein Jura-Studenten aus Frankfurt am Main, enthüllte nun die Doppelmoral hinter dieser Aussage. Nach einer Mensa-Debatte über die Ehrlichkeit der Parteien beim Thema Globalisierung bestellte er im Online-Shop der Linkspartei das Produkt P000097. Ein rotes T-Shirt mit dem unauffälligen Logo der Partei- Preis: 8,50 Euro. `Made in Bangladesh` prangt auf dem Etikett. Mindestlöhne, hierzulande ein Progammpunkt der Linken, außerhalb Deutschlands anscheinend kein Thema.

Dabei wären sie dort noch bedeutender: “Bangladesch ist ein schreckliches Beispiel”, sagt Jörg Köther, Sprecher der für die Textilbranche zuständigen Gewerkschaft IG Metall. Im Sommer 2006 kam es aus Protest gegen einen monatlichen Mindestlohn von umgerechnet elf Euro sogar zu Unruhen. Die IG Metall unterstützt eine Kampagne für “saubere Kleidung” (Clean Clothes Campain). “Sauber” ist Kleidung, welche ohne Kinder- oder Zwangsarbeit und unter Einhaltung sozialer Mindeststandards produziert wurde.

Bei der Linkspartei ist man sich indes keiner Schuld bewusst und reicht den scharzen Peter an die produzierenden Firmen weiter. Pikant: Ebenfalls im Online-Shop der Linken erhältlich, ist ein Buch, welches Aufsätze zum Thema “Globale Gerechtigkeit” enthält. Der Titel: “Eine andere Welt”.