Presse

Weser-Kurier: Politische Themen mit Kunst und Kultur kombiniert

Weser-Kurier vom 17.9.09

Politische Themen mit Kunst und Kultur kombiniert

Steintor. Genau fünf Monate hat der neu gegründete Bremer Verein „Kunstdiewelt“ von der Gründung bis zum ersten eigenen Festival gebraucht. Brisante politische Themen wurden am Wochenende im Viertel mit Kunst und Kultur kombiniert.

Ein streitbarer Autor: Klaus Werner-Lobo aus Wien.So langsam bekommen es manche Zuschauer mit der Angst zu tun. Klaus Werner-Lobo, der kritische Wiener Autor, ist drauf und dran, das Kioto im Lagerhaus in Brand zu setzen. Er bespritzt Vorhang und Boden großzügig aus einem Benzinbehälter. Das Publikum bleibt regungslos und kann schließlich aufatmen – in dem Gefäß war nur Wasser. „Das war eine Machtdemonstration. Ich wollte euch Angst machen, denn auf Angst basiert die Macht, die die großen Konzerne über uns haben“, erklärt der Bestseller-Autor („Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne“).

Deutliche Worte

Werner-Lobo spricht lange und viel, aber niemals im Stile eines Lehrers. Er versteht sich als „Polit-Clown, der nichts mehr zu verlieren hat“. Er findet deutliche Worte zum Beispiel dafür, wie er durch journalistische Recherche nachweisen konnte, dass die Bayer AG den Bürgerkrieg im Kongo mitfinanziert habe. Der Autor verdeutlicht mit Zahlen die Ungerechtigkeit, die durch die Macht der globalen Unternehmen entstanden sei.

„Es ist Zeit, die Herrschaft der Konzerne zu beenden, wir müssen Anspruch auf die Welt erheben“, betont Werner-Lobo. Später holt er sich vier Freiwillige auf die Bühne, die über ihre Träume sprechen sollen. Sie antworten zögerlich. Danach ein Experiment: Werner-Lobo verteilt Luftschlangen an die etwa 70 Zuschauer, die den vier Freiwilligen und ihm einen triumphalen Einmarsch bereiten sollen.

Publikum macht mit

Das Publikum macht mit. Die nun gar nicht mehr zögerlichen Menschen lassen sich anschließend sogar zu einem spontanen Tänzchen hinreißen. Einer von ihnen ist Markus Hoft. Der Viertelbewohner ist nach der Show begeistert: „Das war mal wieder ein Impuls, selber etwas zu verändern.“

Erst am Ostermontag hatten die Bremer Jana Osinski und Björn Meyer mit acht Mitstreitern den Verein „Kunstdiewelt“ gegründet. Ziel war es, Meyers politisches Engagement mit den kulturellen Aktivitäten Osinskis zu verbinden. In Windeseile entstanden Logo und Website.

Eine vorübergehende Anerkennung als gemeinnütziger Verein wurde auch erwirkt. „Es war wahnsinnig viel zu tun, aber der Aufwand hat sich gelohnt“, freut sich Björn Meyer. Der Organisator zieht ein positives Fazit des Festivals. „Es hätten etwas mehr Leute da sein können“, sagt er, „aber wir haben jede Menge positives Feedback bekommen.“

Weitere Informationen über „Kunstdiewelt“ auf www.kunstdiewelt.de.



EpochTimes: 周曉輝:西方跨國公司在中國人權扮演的角色

Die Falun Gong nahestehende chinesischsprachige Zeitung Epoch Times hat “Uns gehört die Welt!” rezensiert:

【大紀元9月2日訊】對於中共政府違背人權、侵害人權的行為,西方世界已然有了較為廣泛的瞭解;但是對於西方發達國家的跨國公司在其中所扮演的角色,卻鮮 為人知。2008年出版的奧地利自由記者Klaus Werner-Lobo撰寫的《世界是我們的:跨國公司的權力和卑鄙勾當》一書,將西方跨國公司在中國人權問題上的雙重標準,以詳實的數據和頗具說服力的 論證披露了出來。Weiterlesen (wer kann…)…

Englische Zusammenfassung des Artikels (danke Pamela Tsai!):

In Klaus Werner-Lobo’s new book “The World Belongs to Us”, western multinational companies are engaged in human rights violations in China. For example, Microsoft, Google, Yahoo are blocking words like “human rights” “freedom of speech” . According to UK Guardian report, a Chinese jouralist was sent to jail because Yahoo diclosed his personal IP info to Chinese communist government. Yahoo’s explanation is “we have to obey local laws”. Amnesty International said, these multinational companies are betraying western freedom value out of the concern to make money/profits. They cooperate with dictactorship.”  Chinese government achieved full cooperation with these multinational companies. Just like Chinese communist party president Hu Jintao said to Bill Gates during their meeting in 2006 “if you are friend of China, I am a friend of Microsoft”.

In order to pursue big profits, Multinational companies abuse Chinese worker’s rights (pay, work environment). According to the study done by Play Fair, workers in one Shenzhen factory, China work 13 hours, almost without time to rest. Their monthly salary is Chinese currency 778. This factory has big cutomers from Disney, Nike, Wal-Mart, Dell. The working environment is miserable - worker’s health and saftey is not protected. The air was full of poisnous things.

China is the heaven of multinational companies. Because independent union is forbidden in China. Workers can not demand rightes - they will be arrested by police. Chinese law even don’t have regulations about worker’s safety and working environment. Because of international pressure, Chinese government wants to improve work environment and allow union to exist, multnational companies protested it. Some multinational companies even want to withdraw - they want to keep the lowest wage and lost cost of doing business in China. WTO, IFM are all assisting these multinational companies to exploit people.

The book “The world belong to us” shows many multinational companies don’t care about human rights. They only care about profit/money. They became the assistants to the Chinese government dictatorship. This book made people think about the relationship between money and human rights.



Zündfunk: 10 Jahre Gipfelsturm – Und jetzt?

Bayern 2: ZÜNDFUNK - Generator vom 26.7.09

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Zehntausende demonstrieren im November 1999 gegen den Millenniumsgipfels der Welthandelsorganisation WTO. Heftige Straßenschlachten rufen zum ersten Mal eine neue Protestbewegung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: die Globalisierungskritik ist geboren. Schon ein Jahr zuvor hat sich in Frankreich der Verein Attac gegründet. Sein Motto: “Eine andere Welt ist möglich!” Was ist aus der globalisierungskritischen Bewegung geworden? Hat das Ringen um eine „andere Welt“ Erfolge gezeigt? Darüber hat der Zündfunk am 14. Juli in München im Café Muffathalle diskutiert.

TeilnehmerInnen:

KLAUS WERNER-LOBO
NICOLE GOHLKE,  Die Linke
ULRICH BRAND, Bundeskongress Internationalismus
HAGEN PFAFF, Attac München



Zündfunk: Ethischer Konsum, oder: Kann man sich eine bessere Welt kaufen?

Bayern 2: ZÜNDFUNK - Generator vom 12.7.09

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Mit dem Buch “No Logo” der kanadischen Autorin Naomi Klein ertönte im Jahr 2000 eine neue Stimme in der globalisierungskritischen Bewegung. Klein führte zum ersten Mal auf, unter welchen Bedingungen stylische Klamotten oder Laptops von transnational agierenden Unternehmen produziert werden. Die Folge waren Kampagnen, Proteste und ein Bewusstseinswandel, der weit über die globalisierungskritische Bewegung hinaus ging: Als Konsument hat man Macht! Das dachten sich von da an auch Menschen, die sich vorher eher weniger um Politik geschert haben. Die fair gehandelte Banane erlebte einen kometenhaften Aufstieg und mit ihr kamen die LOHAS - die, die die Idee vom ethischen Konsum zum Lifestyle erhoben. Aber: Kann man sich wirklich eine bessere Welt kaufen? Der Zündfunk spricht darüber mit Christoph Harrach von Karmakonsum.de, bekennender LOHAS-Anhänger, sowie mit Claudia Langer, Gründerin von utopia.de. Ihr Credo frei nach Mahatma Ghandi: Fang bei dir selbst an, wenn du was ändern willst. Klaus Werner-Lobo, Autor von “Schwarzbuch Markenfirmen”, gehen Informationsnetzwerke für nachhaltiges Leben aber nicht weit genug - ebensowenig wie Hagen Pfaff von attac: Denn kauft man sich mit der fair gehandelten Banane nicht einfach nur ein gutes Gewissen?



Video: WDR-Diskussion “Raus aus der Krise”

WDR west.art am sonntag vom 28.6.2009 mit Matthias Horx, Ulrich Khuon, Gertrud Höhler, Rebekka Reinhard und Klaus Werner-Lobo zum Thema “Raus aus der Krise - Wie müssen wir unser Leben ändern?”



pte: Weggeworfenes Essen kann Hungernde sieben Mal sättigen

London/Wien (pte, 11.7.2009) Mehr als sieben Mal könnte man alle Hungernden der Erde sättigen, würde man die Nahrungsmittel, die in Europa und in den USA weggeworfen werden, verteilen. Diese Fakten basieren auf Recherchen des Kleinbauern und Lebensmittel-Analysten Tristram Stuart, der in seinem neuesten Buch “Waste: Uncovering the Food Scandal” (erschienen im Penguin-Verlag http://www.penguin.co.uk ) die Zahlen ermittelt hat. Stuart ist von Yorkshire bis China, von Pakistan bis Japan gereist, um zu erforschen, wie viel Nahrungsmittel weggeworfen werden. Allein die Lebensmittel, die von Haushalten in Großbritannien weggeworfen werden, könnten 113 Mio. Menschen auf der Welt satt machen.

30 Prozent aller in Großbritannien verkauften Kartoffel landen im Abfall. Die Bauern und die Lebensmittelproduzenten in Großbritannien werfen rund eine Mio. Tonnen der Knolle jährlich in den Müll. Trotz der immer massiveren Fischereikrise werden zwischen 40 und 60 Prozent aller gefangenen Fische in europäischen Gewässern ins Meer zurückgeworfen. Alle davon sind bereits tot. Allein der Marktwert der drei wichtigsten Speisefische Großbritanniens, die weggeworfen werden, beträgt rund 80 Mio. Euro. Die 60 Mio. Briten werfen jährlich 484 Mio. Joghurts ungeöffnet in den Müll. Stuart kritisiert in seinem Buch besonders die Supermarktketten, da diese über die Nahrungsmittel, die weggeworfen werden, kaum oder nur sehr ungenügend Auskunft erteilen. Große Ketten wie etwa Sainsbury kommen auf jährlich rund 60.000 Tonnen, die Kette Asda sogar auf geschätzte 75.000 Tonnen Lebensmittel, die auf Deponien landen. Untersuchungen der Marktforschungsgruppe Biffa haben deutlich gezeigt, dass die Hälfte der Früchte und Gemüse, die für die Supermärkte gezogen werden, nie im Laden enden. Gründe dafür sind falsche Größen oder verändertes Aussehen.

“Das Problem ist nicht die Achtlosigkeit der Konsumenten”, meint Buchautor und Globalisierungskritiker Klaus Werner-Lobo im pressetext-Interview. Dass Lebensmittel weggeworfen werden, sei erwünscht, denn das Wirtschaftssystem lege es darauf an viel zu viel zu produzieren und kurze Ablaufdaten zu haben. “Das ganze System entspricht nicht den realen Bedürfnissen”, kritisiert der Autor. Das zeige etwa auch jene Vorgangsweise, Lebensmittelabfälle im Müllcontainer zu vergiften, damit sie niemand mehr konsumieren könne. Die herrschende Gesetzeslage will Arme und Mittellose kriminalisieren, wenn sie aus den Abfalleimern Nahrungsmittel, die verwendbar sind, entnehmen. “Die Erde könnte zwölf Mrd. Menschen sattmachen und dennoch sterben tagtäglich 24.000 Kinder an Hunger.” Der tägliche Massenmord diene dem Profit. “Jedes weggeworfene Joghurt-Paket bringt dem Hersteller Profit, denn es wurde verkauft.” Der Hersteller agiere nicht deswegen so, weil er böse sei, sondern weil das System des Kapitalismus so funktioniere.



Il Giornale: Lavoro, sfruttamento: la faccia sporca delle multinazionali

Die italienische Tageszeitung Il Giornale vom 10.7.2009 über “Uns gehört die Welt!”:

Alzi la mano chi sa che Bill Gates non è l’uomo più ricco del mondo. Certo non è povero e i suoi averi ammonterebbero a 58 miliardi di dollari, più o meno l’equivalente del guadagno annuale di tutti gli abitanti dei 50 Paesi più indigenti del mondo messi insieme. E allora chi è il Paperone della Terra, ci si può domandare. Perbacco, è Warren Buffet, azionista americano che sul suo personalissimo «conto in banca» vede scritta la ragguardevole cifra di 62 miliardi di dollari e se un solo miliardo è costituito da mille milioni, fate voi quanti zeri ci sono in quel numero sterminato.
C’è un volume pronto per le vetrine delle librerie e che promette di far parlare a lungo di sè. Si intitola «Il libro che le multinazionali non ti farebbero mai leggere» (Newton Compton, pp.288, euro 12,90) ed è opera di un austriaco che ha toccato il nervo scoperto delle aziende più note al mondo. Quelle che troviamo a portata di carrello in ogni supermercato, quelle che ci provocano un brivido di soddisfazione quando ci portiamo a casa un loro prodotto. Spesso però non pensiamo a cosa si nasconde dietro a quel prodotto, quanti bambini hanno lavorato sottopagati, talvolta anche sfruttati perché un certo paio di scarpe o una maglietta possano arrivare nel cassetto del nostro armadio con il nostro orgoglio di acquirente perfetto.
Per loro, come per tutti gli sfruttati in generale, quel lavoro è l’unica fonte di sostentamento, per noi la normalità di una cadenza di vita a cui neppure facciamo più caso. La corsa inarrestabile verso il profitto si lascia alle spalle tutto, tritura ogni cosa purché una qualche cassa di un qualche negozio o supermercato batta quel determinato oggetto dopo averne letto il codice a barre o il numero di serie. L’autore del «Libro che le multinazionali non ti farebbero mai leggere», Klaus Werner Lobo si destreggia così nella giungla dei marchi più noti, indaga tra le pieghe dello sfruttamento minorile, cerca di capire come la dittatura dei grandi marchi ossessiona e condiziona i nostri consumi, le nostre scelte e, più in generale, la nostra vita. Non c’è area di lavoro che non venga passata al setaccio: le colture biologiche, le armi, la chimica farmaceutica, l’alta finanza, il petrolio. Il libro si conclude con una carrellata di schede che riassumono l’identikit dei principali marchi mondiali con relativi fatturati sedi, indirizzi internet e attività.



Terra: Un mondo senza consumismo è possibile

Die italienische Tageszeitung Terra schreibt heute:

In seinem Buch beschränkt sich der österreichische Journalist nicht auf eine lucide Abbildung der realen Konsequenzen einer auf ungezügeltem Konsumismus basierenden Welt. Auch wenn die Übermacht des Geldes und der Erfolgshunger unseren Lebensstil bestimmen, zeigt uns Klaus Werner-Lobo, dass eine Alternative gibt.

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La Repubblica delle Donne: Dodici Domande

Klaus Werner-Lobo im Interview mit der italienischen La Repubblica delle Donne (N°652, S.67):

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Das Interview: “Geld hat keinen Geschlechtsverkehr”

„Das Interview“,  Österreichs erstes Interview-Magazin, ist ein Projekt des Journalismus-Instituts der Fachhochschule Wien. Für die Juliausgabe hat Peter Babutzky hat mit Klaus Werner-Lobo gesprochen:

Sind Sie eigentlich froh, dass diese Wirtschaftskrise ausgebrochen ist?

Froh kann man nicht sein. Denn die Verlierer sind wieder die Armen. Die Finanzkrise ist ja nicht das eigentliche Problem, sondern die Antwort auf die Krise ist die Katastrophe.

Warum?

Der Turbokapitalismus geht weiter. Es werden jetzt Milliarden in die Banken und in die Autoindustrie gesteckt, ohne dass die Verursacher der Krise dafür geradestehen. Im Gegenteil: Sie profitieren sogar davon.

Wenn man den Banken nicht die Milliarden geben würde, dann würde doch das ganze Wirtschaftssystem zusammenbrechen.

Klar, die Gesellschaft muss die Banken retten. Dann gehören die Banken aber auch uns und nicht ein paar Wunderheinis.

Das bedeutet verstaatlichen?

Ja. Aber nicht im Stil der 1970er Jahre. Die Banken müssen demokratisiert werden.

Was bedeutet „demokratisieren“?

Die Bevölkerung soll die wirtschaftlichen Ziele der Banken bestimmen. Banken sollen wieder ihre ursprünglichen Funktionen einnehmen: Risiken finanzieren, Investitionen machen, mit Geld aushelfen. Die wirtschaftlichen Ziele sollen demokratisch bestimmt werden.

Wollen Sie eine gerechte Welt im kapitalistischen System? Ist das überhaupt möglich?

Nein. Kapitalismus verspricht uns, dass sich Geld quasi von selber vermehrt. Geld hat aber keinen Geschlechtsverkehr, und ich habe auch noch nie einen Geldschein arbeiten gesehen. Reichtum vermehrt sich nur, wenn jemand dafür arbeitet. Wenn man das nicht selbst tut, müssen andere oder die Umwelt ausgebeutet werden.

Viele Ökonomen sagen aber, dass die Globalisierung eine Win-Win-Situation ist und vom Kapitalismus alle profitieren.

Das stimmt nicht. Die Erde hat nur begrenzte Ressourcen. Wenn einige diese Ressourcen im Übermaß
nutzen, dann verlieren andere. Wenn alle so leben würden wie die Durchschnittseuropäer, dann bräuchten wir zweieinhalb Erden, um alle Menschen zu ernähren.

Sogar Alexander Van der Bellen hat in einem Interview gesagt, dass der Kapitalismus das effizienteste System sei, das je erfunden wurde.

Ja, schon. Aber die Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten war auch effizient. Effizienz ist kein Kriterium für Menschlichkeit. Der Kapitalismus ist effizient in der Steigerung von Egoismus und Konkurrenzdenken. Menschlichkeit zählt in diesem Wirtschaftssystem nicht.

Möglicherweise neigt der Mensch eher zu Konkurrenz als zu Kooperation…

Nein, das ist falsch. Hirnforscher und Psychologen wie Arno Gruen oder Horst Eberhard Richter bestätigen, dasss wir Menschen alle Anlagen in uns tragen - von extrem grausam bis zu extrem liebevoll. Aber: Wenn unser Wirtschaftssystem Arschlochqualitäten belohnt, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass Menschen Arschlöcher werden.

Schließt Reichtum Anstand aus?

Der absurde Reichtum der Multimillionäre ist unanständig, weil in einem begrenzten System wie der Erde übermäßiger Reichtum nur auf Kosten Ärmerer möglich ist – das ist Diebstahl.

Sind wirklich alle so schlecht? McDonald’s unterstützt zum Beispiel mit seinen Ronald McDonald Häusern kranke Kinder.

Also Ronald McDonald ist wirklich mein Feind.

Warum?

McDonald’s hat sein Geld durch schlimmste Formen von Ausbeutung gewonnen. Das ist so, als ob ein Schwerverbrecher jede Menge Leute umlegt. Und um seinen Ruf wieder zu verbessern, spendet er fünf Euro an den Opferfonds. Das ist das, was Ronald McDonald macht.

Wird die Wirtschaftskrise eine Trendumkehr weg vom Kapitalismus bewirken?

Heute kann man wieder Kapitalismuskritik anbringen, weil jeder kapiert hat, dass etwas an diesem System nicht stimmt. Bis vor kurzem konnte man das Wort Kapitalismus gar nicht in den Mund nehmen, ohne gleich als Stalinist bezeichnet zu werden.

Muss etwa die Marktwirtschaft abgeschafft werden?

Marktwirtschaft kann in kleinen Bereichen vernünftig sein. Aber sie kann nicht das einzige Wirtschaftsmodell sein. Es muss die Möglichkeit bestehen, dass Menschen nicht nach den Regeln von Profitmaximierung leben.

Wie soll dann aber eine alternative Wirtschaftsordnung aussehen?

Die wichtigste politische Forderung ist die Umverteilung. In den letzten Jahrhunderten ist das Vermögen immer von unten nach oben gewandert. Diese Entwicklung muss wieder umgekehrt werden. Zum Beispiel durch Vermögens- und Erbschaftssteuern. Das oberste Ziel von Wirtschaft sollte aber Glück sein und nicht Profit.

Aber wie können ohne das Gesetz von Angebot und Nachfrage etwa Preise entstehen?

Diese Frage sollte von der Gesellschaft demokratisch beantwortet werden. Die Preise für Luxusgüter können meinetwegen marktwirtschaftlich entstehen, allerdings müssen sie die ökologischen und sozialen Folgekosten beinhalten. Lebenswichtige Güter wie Wohnen oder Grundnahrungsmittel dürfen dem Profit-Prinzip aber nicht unterworfen werden. In diesen Bereichen muss reguliert werden.

Also Planwirtschaft?

Nein, es geht nicht um einen autoritären Top-Down-Ansatz, sondern um demokratisch vereinbarte Spielregeln. Gesetze und Steuersysteme sollten nicht den Shareholder-Value belohnen, sondern den Nutzen für die Gesellschaft. Dafür brauchen wir eine Demokratisierung auf allen Ebenen: auf lokaler, globaler, aber auch auf betrieblicher Ebene.

Sie wollen, dass die Mitarbeiter eines Betriebs über die Unternehmensziele abstimmen?

Durchaus. In Argentinien haben die Belegschaften Unternehmen übernommen, die von ihren Eigentümern in der Wirtschaftskrise fallengelassen wurden – seither arbeiten sie viel effizienter und produktiver.

Ihr neues Buch hat den Titel „Uns gehört die Welt“. Gehört sie wirklich uns?

Ökonomisch gesehen gehört sie den Reichen und Konzernen. Doch es ist immer noch unsere Welt. Und jeder sollte seinen Einfluss nutzen, um für eine gerechtere Weltordnung einzutreten. Wir müssen Räume schaffen, die nicht von der kapitalistisischen Profit-Logik dominiert sind.