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Schokoguerrilla wieder unterwegs - und “Kraft Foods” ist sauer

Soeben hat mich die PR-Verantwortliche von Kraft Foods Deutschland kontaktiert. In deutschen Supermärkten seien folgende Aufkleber auf den Produkten ihres Konzerns zu finden:

kraftOb ich damit etwas zu tun habe, fragte sie, um mir gleich darauf am Telefon zu erklären, dass ihre Firma sich doch ohnehin so sehr bemühe, etwas gegen Kindersklaverei zu unternehmen. Und zitierte etwa die Zusammenarbeit mit der Rain Forest Alliance, die hier (und in meinem Buch)  mehrfach als Feigenblatt-Organisation entlarvt wird. Und was die menschenunwürdigen Bedingungen im Kakaoanbau betrifft, so berichtete erst kürzlich die “Zeit” wieder über die unzulänglichen Aktivitäten der Lebensmittelkonzerne.

Und ja, ich hab was damit zu tun: Weil “Uns gehört die Welt!” ausdrücklich folgende Aktionsform zur Nachahmung empfiehlt. Das gilt auch weiterhin - umso mehr, als solche Aktionen ganz offensichtlich für große Unruhe in den Konzernzentralen sorgen.

Eine meiner Lieblingsaktionen fand statt, nachdem ich mit einer Gruppe Jugendlicher im Saarland einen Workshop gehalten hatte. Ich hatte ihnen von den westafrikanischen Kindersklaven in der Kakaoernte für Firmen wie Kraft, Nestlé und andere erzählt. Die Kids waren stinksauer. Und sie wollten etwas tun. So entstand die Idee, KonsumentInnen über die Zustände in Afrika zu informieren. Wir kauften Klebeetiketten, auf die wir folgenden Text druckten: „Verbraucherinformation der Schokoguerrilla: Der Kakao für dieses Produkt wurde von Kindersklaven geerntet. Weitere Infos: www.markenfirmen.com“. Auf diese Homepage stellten wir kurzfristig detailliertere Hintergrundinfos. Dann schwärmten die Jugendlichen in Fünfergruppen aus, um die Aufkleber in allen örtlichen Supermärkten auf jedes Kakao- und Schokoladeprodukt zu kleben. In einem Geschäft wurde die selbsternannte „Schokoguerrilla“ vom Kaufhausdetektiv erwischt. Doch sie waren gut vorbereitet: Wir hatten diesen Fall bereits vorher in Rollenspielen geprobt. Die Jugendlichen hielten dem erstaunten Wachmann einen Kurzvortrag über die Produktionsbedingungen an der Elfenbeinküste, worauf dieser sagte: „Eigentlich habt ihr recht“. Am nächsten Tag klebte die „Verbraucherinformation“ noch immer auf allen Milka- und KitKat-Riegeln. (Uns gehört die Welt!, Seite 178)



Timelkam: Show “Uns gehört die Welt!” beim Bock Ma’s Festival

29. August 2009
18:00bis19:30

Show “Uns gehört die Welt!” beim Bock Ma’s Benefizfestival 2009

Ort: Burgruine Altwartenburg, 4850 Timelkam



Leichtathletik-WM: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei Hauptsponsor Adidas

via INKOTA-Netzwerk:

Berlin, 12. August 09 – Die Kampagne für Saubere Kleidung kritisiert den Hauptsponsor der
Leichtathletik-Weltmeisterschaft. „Adidas stattet die Sportler und Helfer mit Sportbekleidung
aus, die unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird“, sagt Julia Thimm
von der Kampagne für Saubere Kleidung/INKOTA-netzwerk. „Trotz Verhaltenskodex und einer
Abteilung für Unternehmensverantwortung hat sich die Situation für die Arbeiter in den
Zuliefererbetrieben nicht verbessert.“ Sportmarken wie Adidas und Puma lassen in Fabriken in
Asien, Lateinamerika und Osteuropa produzieren, in denen es nachweislich zu massiven
Arbeitsrechtsverletzungen kommt.

In der weltweiten Sportbekleidungsindustrie leiden die Arbeiter unter vier Kernproblemen: extreme
Niedriglöhne, Missbrauch von Kurzzeitverträgen und andere unsichere Beschäftigungsformen,
Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sowie kurzfristige
Betriebsschließungen aufgrund von Umstrukturierungen.

Neben den strukturellen Problemen kritisiert die Kampagne für Saubere Kleidung Adidas auch in
Einzelfällen. Seit Jahren suchen indonesische Gewerkschafter nach neuer Anstellung, nachdem sie
aus den Adidas-Zulieferern PT Spotec und PT Panarub entlassen worden sind. „Sie werden nicht
eingestellt, weil Fabrikbesitzer befürchten, dass sie die Arbeiter gewerkschaftlich organisieren“, sagt
Thimm. Da die Arbeiter über jahrelange Erfahrung in der Textilindustrie verfügen, geht die Kampagne
für Saubere Kleidung davon aus, dass sie diskriminiert werden.

Zur Leichtathletik-WM fordert die Kampagne für Saubere Kleidung Adidas mit Nachdruck auf,
internationale Arbeitsrechte sowie den eigenen Verhaltenskodex einzuhalten. „Zu Werbezwecken
unterstützten die Sportmarken große Sportereignisse mit hohen Summen – so wie jetzt Adidas die
Leichtathletik-WM, aber sie sind nicht bereit, in die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen
in den Produktionsländern zu investieren. Der Verhaltenskodex und die Abteilung für
Unternehmensverantwortung dienen allein der Imagepflege; an den Arbeitsbedingungen vor Ort hat
sich bisher nichts geändert“, sagt Thimm.

Die Kampagne für Saubere Kleidung stellt mit Projekten wie der Joint Initiative on Corporate
Accountability and Workers Rights (Jo-In) konkrete Lösungen der Probleme vor. „Adidas setzt für alle
anderen Unternehmensbereiche überprüfbare Leistungsziele fest. Das muss auch für Sozial- und
Arbeitsstandards gelten“, fordert Thimm.



Stop racist Unilever-Campaign in Austria

eskimoweb1_bodySoeben habe ich eine Facebook-Gruppe mit dem Ziel gegründet, internationalen Druck auf Eskimo Österreich aufzubauen, damit dieser seine neue “Mohr im Hemd”-Werbelinie stoppt und eine offizielle Entschuldigung abgibt. Die Bezeichnung “Mohr im Hemd” für eine traditionelle österreichische Süßspeise beruht auf rassistischen und kolonialistischen Klischees. Es ist dabei unerheblich, ob Eskimo damit Rassismus intendiert (was ich ausdrücklich nicht unterstelle) oder die österreichische Mehrheitsbevölkerung die Kampagne als rassistisch empfindet. Die Fortschreibung rassistischer Bilder im Sprachgebrauch ist für von Rassimus Betroffenen verletzend und deshalb strukturell rassistisch.

Für einen internationalen Konzern (hier ein paar ältere Infos aus dem Schwarzbuch Markenfirmen über Unilever, zu dem Eskimo gehört) ist das imageschädigend, deshalb bitte ich Euch der Facebook-Gruppe beizutreten und an die unten angeführten Adressen Protestmails zu schicken. Und kündige auch gleich an, dass eine allfällige Fortsetzung der Werbelinie in der nächste Ausgabe des Buches ihren Niederschlag finden wird.

The Austrian branch of transnational company Unilever (Eskimo) is producing and marketing a new ice-cream under the name “Mohr im Hemd” (http://de.wikipedia.org/wiki/Mohr_im_Hemd).

“Mohr” (moor) as a colonial german word for African or Black people has a heavily colonialist and racist connotation. “Mohr im Hemd” (moor in the shirt) is a traditional Austrian chocolate speciality which reminds of naked, “wild” Africans. Unilever refuses any racist intentions and claims that it has tested the name for it’s campaign in broad market studies without any critical feedback. This does not surprise, given that racist wording and action is still widely accepted in Austria.

That’s why we want to get Unilever as a transnational company to put pressure to its Austrian branch to stop the “Mohr im Hemd”-products and advertising immediately and to bid for excuse officially with Austrian African, Black and other offended groups.

Please participate and write your protest to Press-Office.London@Unilever.com, mediarelations.rotterdam@unilever.com, karin.hoefferer@unilever.com (Austria), katja.praefke@unilever.com (Germany)

Hier noch ein paar empfehlenswerte Kommentare aus der Blogosphäre: Philipp Sonderegger, Michel Reimon, Martin Blumenau, Andreas Lindinger



jetzt.de: Zum Beispiel Rinderzucht - Kühe, die subventionierten Klimakiller

jetztde Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de

Was haben Adidas, Aldi, BMW, Carrefour, Clarks, Gucci, Honda, IKEA, Lidl, Makro, Nike, Reebok und Timberland mit Kühen zu tun? Und was mit dem Klimawandel? Sie alle wurden diese Woche von Greenpeace beschuldigt, zu einem erheblichen Teil mitschuld an der Abholzung brasilianischer Regenwälder zu sein.

Der Grund: Sie alle profitieren in der einen oder anderen Form von der Viehzucht im Amazonasgebiet. Und die ist, so Greenpeace, einer der größten Klimakiller der Welt. Vor allem, weil dafür – meist illegal – Tropenwälder für Weideflächen gerodet werden. Bis vor kurzem war es vor allem McDonald’s, der als weltgrößter Fleischverbraucher zuerst wegen der Rinderzucht und später wegen der Futtermittelgewinnung für Rinder in Form von Sojaplantagen für die Abholzungen verantwortlich gemacht wurde. Durch öffentlichen Druck konnte Greenpeace die Fastfoodkette dazu zwingen, wenigstens in den ökologisch sensibelsten Gebieten auf Rodungen zu verzichten.

Aldi, Lidl und Makro hingegen verkaufen laut Greenpeace noch immer Fleisch von illegalen Farmen im Amazonasgebiet. Und der Rest der genannten Firmen profitiere vom Leder der dort gezüchteten Tiere, so die Umwelschützer in ihrem aktuellen Bericht Slaughtering the Amazon. Das werde nämlich zum Großteil nach China, Italien und Vietnam. Und dort lassen die großen Marken dann auch für den europäischen Markt produzieren. (weiterlesen…)



Greenpeace: Europäische Leder-Industrie profitiert von Urwaldzerstörung

via Greenpeace:

Unternehmen wie Adidas, Nike, Timberland, Clarks, Carrefour, Honda, Gucci oder IKEA profitieren von günstigem Leder aus Regionen in Brasilien, wo für extensive Rinderzucht der Urwald zerstört wird. Das ist das Ergebnis eines umfassenden Reports, den die Umweltorganisation Greenpeace zu Beginn der zweiwöchigen UN-Klimaverhandlungen in Bonn veröffentlicht hat.

So werden etwa achtzig Prozent der abgeholzten Urwaldfläche in Amazonien als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Während das Rindfleisch überwiegend in Südamerika selbst konsumiert wird, exportiert man das Leder nach China, Italien und Vietnam. Und dort lassen die großen Schuhfirmen dann auch für den europäischen Markt produzieren.

“Wer den Urwald in Brasilien zerstört, schädigt das Klima auf der gesamten Welt“, ruft Greenpeace-Klimasprecher Niklas Schinerl in Erinnerung „Und gerade wir Europäer sollten uns die globalen Auswirkungen unseres oftmals unreflektierten Konsumverhaltens bewusst machen”, mahnt der Experte ein. “Ob beliebte Sportschuhe, unkomplizierte Fertiggerichte oder modische Handtaschen: Viele der großen Hersteller sind noch immer nicht bereit, Verantwortung in Sachen Klimaschutz zu übernehmen und damit auch der Urwaldzerstörung eine Absage zu erteilen“, kritisiert Schinerl.

Die Rinderzucht in Brasilien wächst rasant: In der vergangenen Dekade hat sich der brasilianische Rindfleisch-Export versechsfacht. Ermöglicht wird dieses Wachstum durch die geringen Kosten für Weideland, das durch die Abholzung und Brandrodung des Klima schützenden Urwaldes gewonnen wird. Schon jetzt ist Brasilien – nach China, den USA und Indonesien - der viertgrößte Treibhausgas-Emittent der Welt, und etwa drei Viertel aller brasilianischen Emissionen stammen aus der Zerstörung des Regenwaldes. Bis zum Sommer letzten Jahres wurden bereits 74 Millionen Hektar der Urwälder komplett vernichtet  - was fast einem Fünftel ihrer ursprünglichen Fläche entspricht.

Deshalb fordert Greenpeace die Industrienationen auf, einen internationalen Urwald-Fonds einzurichten, der Regenwald-Anrainern wie Brasilien ausreichend Geld für den Schutz ihrer Wälder und damit auch des globalen Klimas bietet. Insgesamt sollten die Industrieländer an die 120 Milliarden Euro jährlich für den Kampf gegen den Klimawandel bereit stellen, wobei allein dreißig Milliarden davon jedes Jahr für den Schutz der Regenwälder aufzubringen wären.



jetzt.de: Zum Beispiel das gute Image der Konzerne - und wie leicht es leidet

jetztde Klaus Werner-Lobos Wirtschaftskolumne auf jetzt.de

Es war keine gute Woche für Shell: Ein US-amerikanisches Gericht will nun endlich die Mitschuld des Ölkonzerns am Tod des nigerianischen Menschenrechtsaktivisten Ken Saro-Wiwa prüfen. Egal wie der Prozess ausgeht: Er ist eine Gelegenheit, alle Welt an die schmutzigen Geschäfte mit korrupten Diktatoren zu erinnern. Auch Adidas trug diese Woche ein paar Imagekratzer davon. Das deutsche Unternehmen kam nicht nur wieder mal wegen ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse in asiatischen Zulieferbetrieben ins Gerede, sondern ausgerechnet wegen einer Party in einer Nazi-Villa in Rio de Janeiro. Schön blöd.

Und auch IKEA kriegte dieser Tage ein Imageproblem. Deren Österreich-Sprecherin Barbara Riedl hat die Mailbox gestrichen voll. Und die Schnauze offenbar auch. „Ich kann mich vor E-Mails kaum erwehren. Wir kommen da völlig unschuldig zum Handkuss“, beschwert sie sich mir gegenüber am Telefon. Hunderte Protestmails haben ihr Postfach zum Überlaufen gebracht. Beschert haben ihr das die AktivistInnen der „Clean Clothes Kampagne“, die dann zu allem Überfluss noch bemängelten, dass Ikea nicht auf die Proteste reagiere – dabei hatten die doch selbst das Mailsystem lahmgelegt. (weiterlesen…)



taz: Adidas feiert in Nazi-Villa

Feiern zwischen Hakenkreuzen

Der deutsche Sportartikelkonzern lud im brasilianischen Rio de Janeiro zu einer Party in eine mit Nazi-Memorabilia geschmückte Villa. Ein Fest mit Folgen.

VON KLAUS WERNER-LOBO für die taz; Fotos: João Paulo Cuenca

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Bayern München, die deutsche Fussball-Nationalelf und sogar Kubas greiser Führer Fidel Castro schwören auf Adidas, die Marke mit den drei Streifen. Dieses Jahr wird der Weltkonzern aus dem bayrischen Herzogenaurach 60 Jahre alt. Das will gefeiert werden: Rund um den Globus lädt das Unternehmen ausgewählte Gäste - darunter etwa Missy Elliott und David Beckham - zu exklusiven “Adidas House Partys”.adidas3

Vergangen Freitag feierte man in Rio de Janeiro. In einer mondänen Privatvilla im Reichenviertel Gávea konnten sich rund 400 geladene Gäste - darunter auch der Sohn des Tropicalismo-Stars Caetano Veloso, Zeca Veloso - zu Livemusik und DJs vergnügen. Oder ein Bad im Pool nehmen - mitten unter blauen und weißen Luftballons mit dem Adidas-Logo. Die Fliesen, die das Schwimmbecken umrandeten, wurden von einem anderen Symbol geziert: dem Hakenkreuz.

Aufgefallen war das im Party-Trubel nur wenigen - wie dem Schriftsteller João Paulo Cuenca, dem auch das Bild eines Adlers mit dem Schriftzug “Hamburg Kriegsmarine” hinter der Bar ins Auge stach. Die Kriegsmarine, das waren die Seestreitkräfte der Nazis. Als der Autor in der Umkleidekabine der Musiker auch noch das Portrait eines Marineoffiziers samt Reichsadler mit Hakenkreuz entdeckte, verließen er und weitere Künstler das Fest. Das Bild hat große Ähnlichkeiten mit Großadmiral Karl Dönitz, den Hitler zu Kriegsende testamentarisch als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und  Oberbefehlshaber der Wehrmacht einsetzte.

adidas2Noch in der selben Nacht schrieb Cuenca seine Beobachtungen in einem Blogeintrag auf der Seite der brasilianischen Tageszeitung “O Globo” nieder. Die Nachricht schlug in Brasilien innerhalb weniger Stunden hohe Wellen - vor allem mithilfe von Facebook und des Kurznachrichtendienstes Twitter. Adidas wies in einer eiligen Erklärung die Verantwortung für die Auswahl der Nazivilla von sich. Die Location sei von einer Agentur gemietet worden, die in der Dekoration keine Verbindung zum Nationalsozialismus erkannt habe.

Auch der Hausbesitzer, der Anwalt Luiz Fernando Penna, verteidigt sich: Er sei Sammler. “Eines Tages kam hier ein Typ vorbei, der zwei Schilder verkaufte: Eins mit der Inschrift der deutschen Marine und vier kleinen Hakenkreuzchen in den Ecken und ein anderes mit Hammer und Sichel. Drollig, dass sich niemand über das kommunistische Schild beschwert hat.” In den Symbolen am Pool will er keine Hakenkreuze, sondern ein griechisches Ornament erkennen.

Als Präsident der Nachbarschaftsvereinigung setzt sich Penna vor allem für eine Geburtenkontrolle in den Armenvierteln ein - und dafür, zum Schutze wohlhabender Anwohner eine Mauer rund um die angrenzenden Favelas zu ziehen. 500 Meter stehen bereits.

adidas4Am Montag kündigte die israelitische Föderation in Rio die Prüfung einer Klage an. In Brasilien stehen auf die Verwendung des Hakenkreuzes zu Propagandazwecken zwei bis fünf Jahre Gefängnis. Erst vor wenigen Tagen beschlagnahmte die Polizei in Südbrasilien massenhaft Propagandamaterial und Waffen einer neonazistischen Gruppierung. Süffisant weisen brasilianische Blogger aber auch auf die Vergangenheit des deutschen Multis hin: Die Gebrüder Adi und Rudolf Dassler, die späteren Gründer von Adidas und Puma, waren nicht nur bekennende Nationalsozialisten, sie produzierten für die Wehrmacht auch den “Panzerschreck”, eine von den Allierten als “Tank Terror” gefürchtete Panzerabwehrwaffe.

Nach immer wiederkehrenden Vorwürfen von Kinderarbeit und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen in asiatischen Zulieferbetrieben hat Adidas nun erneut ein Imageproblem. Rund 13 Prozent des Umsatzes gibt der Konzern nach eigenen Angaben jährlich für Werbung aus - das entspräche circa 1,4 Milliarden Euro. Dass die Adidas House Party in Rio keine gute Investition war, zeichnet sich jetzt schon ab.



Schwere Vorwürfe gegen Ikea - Take Action!

via Clean Clothes Kampagne:

IKEA lässt Bettwäsche in der Türkei produzieren. Vier Menschen sind bereits bei arbeitsbedingten Unfällen im türkischen Zulieferbetrieb ums Leben gekommen. Gewerkschaftsaktivitäten werden unterbunden.
NA DANN GUTE NACHT!

“Wie man sich bettet, so schläft man.” heißt ein Sprichwort. Sagen Sie IKEA, dass IKEA-Bettwäsche unter fairen Bedingungen produziert werden soll.

Billig, praktisch, modern!
Wer von uns hat nicht schon einen Samstagnachmittag bei IKEA verbracht. Junges Design zu günstigen Preisen. Hier sind alle gleich, hier dutzen wir uns. Und nach dem Billig-Shopping-Vergnügen noch ein Paar Frankfurter.
Am anderen Ende der Produktionskette von IKEA bleibt die Idylle jedoch nicht bestehen. In den letzten Jahren starben vier ArbeiterInnen bei arbeitsbedingten Unfällen in der Menderes-Fabrik in der Südost-Türkei. Hier lässt IKEA Bettwäsche produzieren. Na dann Gute Nacht!

Am 20. November 2008 verunglückte ein Arbeiter tödlich, als er in den Lüftungsschacht eines Kohleheizers fiel. ArbeitskollegInnen berichten: „Der Unfall hätte verhindert werden können – wenn die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten worden wären.“ Doch damit nicht genug: Die Geschäftsführung von Menderes Tekstil wies drei Arbeitskollegen daraufhin an, den Körper des Unfallopfers aus dem Schacht zu holen - ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen. Die drei erlitten Vergiftungen und mussten sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Bereits im März 2008 schlossen sich ArbeiterInnen der türkischen Textilgewerkschaft TEKSIF an: sie wollten sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehren. Die Menderes-Geschäftsführung griff jedoch zu – leider üblichen - Methoden: sie drohte den GewerkschafterInnen mit Versetzungen und Entlassungen. Nicht nur moralisch, sondern auch juristisch gesehen kriminell: in der Türkei ist gewerkschaftliches Organisieren erlaubt und Drohungen gegen Gewerkschaftsmitglieder strafbar. Doch der IKEA-Zulieferbetrieb ließ weitere Taten sprechen. Zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder, die der Gewerkschaft treu blieben, verloren ihre Arbeit. Sie legten Beschwerden beim türkischen Arbeitsgericht ein – daraufhin entließ die Menderes-Geschäftsführung deren Familienangehörigen.

190 Tage Demonstration
In Österreich gilt es bereits als Erfolg, wenn an einem Tag im Mai Menschen für ihre Arbeitsrechte auf die Straße gehen. In der Türkei demonstrierten die ArbeiterInnen der Menderes-Textil-Fabrik ganze 190 Tage lang vor ihrem (teils ehemaligen) Arbeitsplatz: in der brütenden August-Sonne letzten Jahres. Sie forderten die Anerkennung der Gewerkschaft und Verhandlungen mit der Fabriksleitung. Die Geschäftsführung von Menderes-Tekstil weigerte sich. Ihre Taktik setzt weiterhin auf Diskriminierung der GewerkschafterInnen.

“Wie man sich bettet, so schläft man.” heißt ein Sprichwort. Sagen Sie IKEA, dass IKEA-Bettwäsche unter fairen Bedingungen produziert werden soll.

Die Fabrik, die in Denzil im Südosten des Landes liegt, stellt Bettwäsche für den heimischen Markt und den Export her. Neben IKEA kaufen auch deutsche Firmen wie das Versandhaus Otto, die Textilunternehmen Ibena und Horizonte Textil ein. Internationale „Global Players“ wie die französische Kette Carrefour sowie die amerikanischen Unternehmen Wal-Mart, Target und Kohls tätigen dort genauso Textileinkäufe.

Katz und Maus-Spiel
Acht illegal entlassene ArbeiterInnen haben Ihren Fall bereits vor das türkische Arbeitsgericht gebracht. Ergebnisse können sich jedoch über Jahre hinauszögern. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

Vogel Strauss-Taktik
IKEA weiß von den Vorfällen seit Monaten, steckt seinen Kopf jedoch in den Sand und verleugnet die Probleme. Eine Untersuchung, die IKEA in Auftrag gegeben hat, ergab, dass bei Menderes keine systematischen Arbeitsrechtverletzungen vorliegen; allerdings hat IKEA den Bericht bisher nicht veröffentlicht. Die Clean Clotheas Kampagne zweifelt an der Glaubwürdigkeit dieser Untersuchung und fordert IKEA auf, gegen die Gewerkschaftsdiskriminierung vorzugehen. Die Situation bei Menderes verstößt eindeutig gegen IWAY, den Verhaltenskodex von IKEA. Die Clean Clothes Kampagne und internationale Gewerkschaften haben sich viele Male mit IKEA an einen Tisch gesetzt, um eine Lösung unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu finden. Bisher jedoch hat IKEA nicht angemessen reagiert.

We want You!
Nun sind KonsumentInnen sowie KritikerInnen von IKEA gefragt!
Fordern Sie zusammen mit der Clean Clothes Kampagne IKEA auf, die Missstände in seinem Zulieferbetrieb Menderes zu bereinigen. Dafür sind Gespräche mit der Gewerkschaft der erste Schritt.

“Wie man sich bettet, so schläft man.” heißt ein Sprichwort. Sagen Sie IKEA, dass IKEA-Bettwäsche unter fairen Bedingungen produziert werden soll.

Schreiben Sie heute an IKEA, um die Anerkennung der Gewerkschaft und die Wiedereinstellung der GewerkschafterInnen bei ihrem Zulieferbetrieb zu fordern.

Die Clean Clothes Kampagne und die türkische Gewerkschaft TEKSIF fordern die Menderes Tekstil Geschäftsführung sowie IKEA auf,

•    die GewerkschafterInnen mit angemessenen Entschädigungszahlungen wiedereinzustellen, die aufgrund ihrer Gewerkschaftsaktivitäten entlassen worden waren und bei Gericht Beschwerden eingereicht haben;
•    TEKSIF als Gewerkschaft und als Vertretung ihrer Mitglieder in allen Fabriksangelegenheiten anzuerkennen sowie allen ArbeiterInnen das Recht zuzusichern, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Tarifverträge auszuhandeln;
•    TEKSIF als ArbeitnehmerInnenvertretung in die Umstrukturierungspläne des Unternehmens und bei der Festlegung von Kriterien für betriebsbedingte Kündigungen einzubeziehen;
•    die Gesundheits- und Sicherheitsstandards in den Fabriken sowie Beschwerdeverfahren zu überprüfen.

“Wie man sich bettet, so schläft man.” heißt ein Sprichwort. Sagen Sie IKEA, dass IKEA-Bettwäsche unter fairen Bedingungen produziert werden soll.



Menschenrechts-Prozess gegen Shell

via Der Standard, 6.4.2009:

Bestochene Zeugen und Geld für mörderische Sicherheitskräfte in Nigeria - Öl-Gigant Shell drohen hunderte Millionen Euro Strafe

Der Öl-Gigant Shell steht im Mai wegen der Verletzung von Menschenrechten in Nigeria vor Gericht. Hunderte Millionen Euro Strafe drohen - Von Michael Möseneder

New York / Abuja - “Shell Nigeria legt größten Wert darauf … ein guter Nachbar zu sein und zu Nachhaltigkeitsinitiativen beizutragen” verkündet die nigerianische Niederlassung des Erdölkonzerns auf ihrer Homepage. Vor einem Gericht in New York muss das Unternehmen bald beweisen, dass diese hehren Ziele schon vor 14 Jahren gegolten haben - und man damals nichts mit der Hinrichtung einer Gruppe von Bürgerrechtlern um Ken Saro-Wiwa zu tun hatte.

Wie der britische Observer am Sonntag berichtete, stehen der britisch-niederländische Konzern sowie ein einzelner Manager im Mai vor einem US-Bundesgericht. Der Vorwurf: Shell soll in den 90er-Jahren Einsätze von Sicherheitskräften gegen die Einwohner des Niger-Deltas finanziert haben und beim Prozess gegen die “Ogoni 9″ Zeugen bestochen haben. (weiterlesen…)