Hintergründe

“Ich will irgendwohin, wo es normal ist”

Die elfjährige Melisa, Tochter einer Ukrainerin und eines Sudanesen, erzählt in einem berührenden Interview im Online-Standard über ihren Freundeskreis, ihr Lebensgefühl in Wien und ihre Erfahrungen mit Rassismus. Leseempfehlung!



Privatisierung brachte Jobverluste

Mit der seit über 15 Jahren laufende Liberalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sind laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung in Deutschland seit Anfang der 90er-Jahre mindestens 600.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Zwischen 1991 und 2006 fielen im öffentlichen Dienst mehr als 2,1 Millionen Beschäftigungsverhältnisse weg. Das war fast ein Drittel aller Stellen im Staatsdienst. Im Gegenzug entstanden zwar auch neue Jobs in privaten Firmen, zum Beispiel bei den Konkurrenten der ehemals staatlichen Telekom oder bei privaten Briefdienstleistern. Der Gesamteffekt sei jedoch negativ, so die Wissenschaftler. Weiterlesen…

Studie zum Download (pdf)



Gut gemeint ist das Gegenteil von…

Vom 15. bis 28.09 2008 findet in Deutschland die Faire Woche (eigentlich ja zwei Wochen) statt. Unter dem Motto ”Doppelt gut! Bio im Fairen Handel” sind zahlreiche Veranstaltungen von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten, Kantinen und Einzelpersonen geplant - mit dem gemeinsamen Ziel, den Fairen Handel in Deutschland ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Eine scheinbar gute Idee hatte in diesem Sinne der Weblogger Christoph Harrach von karmakonsum.de (laut taz eines der führenden Medien der LOHAS-Szene, sogar mit eigener Hymne):

Er rief zum Fair-Trade-Blogkarneval und erklärte sich selbst zum Fairtrade-Man: Er werde am 15.9. einen 14-tägigen Selbstversuch starten, ob er nur von fair gehandelten Lebensmitteln leben könne - mit täglichem Video.

Die Aktion, die an etwas aufwändigere Versuche wie Supersize Me oder Ein Jahr ohne “Made in China” erinnert, wurde von vielen Bloggern wohlwollend zitiert. Doch was bedeutet das eigentlich, sich nur mit Produkten zu ernähren, die das Fairtrade-Gütesiegel tragen?

Es heißt, so gut wie ausschließlich Waren zu konsumieren, die in ärmeren, weit entfernten Ländern angebaut werden. Früher nannte man diese Waren Kolonialwaren - eben weil sie aus den kolonialisierten Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zu uns gelangten. Und auch wenn das Fairtade-Gütesiegel bessere soziale und arbeitsrechtliche Standards für die ProduzentInnen garantiert, ist es weder sozial noch ökologisch sinnvoll, den Menschen in diesen Ländern ihre Nahrungsmittel wegzunehmen und sie über tausende Kilometer in die reichen Länder zu transportieren. Wegnehmen? Ja, wegnehmen: Denn es ist - trotz Fairtrade und damit im regionalen Vergleich besseren Löhnen - letztendlich die Armut, die zum Export zwingt, was in den meisten Ländern wiederum die Hauptursache für Hunger ist.

Bananen, Kakao, Kaffee, Tee etc. aus dem zertifizierten Fairem Handel sind eben nur die bessere Alternative, als diese Produkte “konventionell”, also von profitorientierten Importeuren zu kaufen. Sich komplett mit Kolonialwaren zu ernähren dient zwar vielleicht dem ausgeprägten Lifestyle-Bedürfnis vieler “Lohas”, ist aber letztendlich - ja, kolonialistisch. Wer wirklich “gut” konsumieren möchte, sollte so regional und ökologisch wie möglich einkaufen. Auch das wäre einen “Selbstversuch” wert - und wirklich fairtrade.



Nachhaltigkeitsblogs

Auf dieser Seite findet ihr bereits eine umfangreiche Liste interessanter Weblinks zu den Themen Aktion und Protest, Arbeit und Soziales, Armut und Reichtum, Ernährung und Gesundheit, kritischen Seiten über einzelne Firmen, Gender und Queer-Politik, Globalisierung und Politik, Jugend und Bildung, Konsum und Fairer Handel, Konzernkritik und Recherche, Menschenrechte und Entwicklung, Migration und Rassismus sowie Umwelt, Energie und Rohstoffe.

bioemma.de hat nun eine Liste von “Nachhaltigen Blogs” erstellt. Die meisten davon beschäftigen sich vorrangig mit ökologischem Konsum, viele berichten auch über aktuelle politische Vorgänge und Aktionen. Interessant, einfach mal Durchklicken!



Ausländische Jugendliche nicht gewalttätiger als deutsche

Eine Studie widerlegt die verbreitete, gerne auch von konservativen und rechten Politikern geäußerte Meinung, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund krimineller und vor allem gewalttätiger als deutsche seien, berichtet Telepolis. Bis zum Alter von 17 Jahren haben allerdings drei Fünftel der Jugendlichen mindestens einmal eine kriminelle Tat begangen, wobei es sich allerdings meist um leichte Straftaten handelt, immerhin werden aber noch von einem Drittel auch Gewaltdelikte wie Körperverletzungen und Raubdelikte genannt. Interessant ist, dass dieses Ausreizen der Spielräume schon nach einem steilen Anstieg am Ende des Kindesalters mit 15 Jahren schon wieder zurück. Weiterlesen…



Unternehmensteuersätze weiterhin im Sinkflug

via Glocalist:

Eine jährliche Studie vergleicht weltweit die Steuersätze. Während die Unternehmensteuersätze weiterhin sinken, gewinnt die Umsatzsteuer an Bedeutung. Das ist das Ergebnis des „KPMG’s Corporate and Indirect Tax Rate Survey 2008“.

Seit 16 Jahren vergleicht KPMG Steuersätze aus rund 100 Ländern, darunter 30 OECD-Mitgliedsstaaten und alle 27 EU-Länder. Erstmals seit 1994 hat keines der untersuchten Länder seine Unternehmensteuersätze erhöht.

Unternehmensteuersatz im Sinkflug

Der durchschnittliche weltweite Unternehmensteuersatz 2008 liegt bei 25,9 Prozent und ist somit um ein knappes Prozent niedriger als im Vorjahr. Nach wie vor haben die EU-Mitgliedstaaten die niedrigste Unternehmensteuerbelastung aller Industriestaaten. Mit einem Rückgang von über 11 Prozentpunkten in den vergangenen neun Jahren sank die durchschnittliche Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften in den EU-Mitgliedstaaten auf 23,2 Prozent. Weiterlesen…



Welttag gegen Softwarepatente

via netzpolitik.org:

Am 24. September findet erstmals der “World Day Against Software Patents” statt. An diesem Tag soll der Erfolg des Jahres 2003 gefeiert werden, in dem das EU-Parlament in der ersten Lesung gegen Softwarepatente in Europa stimmte. Zum Jahrestag wird eine Petition eingereicht, und es sollen Demonstrationen vor nationalen Patentämter in der ganzen Welt stattfinden. Mehr Infos gibt es auf stopsoftwarepatents.org



Negative Spätfolgen autoritärer Erziehung

via Telepolis:

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über eine Studie, die unter dem Titel “Kindheit und Jugend in der Schweiz” die Ergebnisse von 29 Forschungsprojekten zusammenfasst. Deren Kernaussage: Autoritär erzogene Kinder hegten später im Leben mehr Suizidgedanken oder konsumierten häufiger Cannabis und Tabak. Vorteilhafter sei ein partizipativer Erziehungsstil, bei dem die Kinder eine enge emotionale Bindung zu den Eltern aufwiesen und unter der Führung der Eltern Entscheide mitgestalten könnten. Partizipativ erzogene Kinder zeigten in den Hauptfächern bessere Leistungen, seien sozial kompetenter und zudem aufmerksamer und weniger aggressiv.

In einem Radiointerview brachte Studienautorin Pasqalina Perrig-Chiello das bemerkenswerte Ergebnis auf den Punkt: “Je mehr Druck Eltern auf Kinder ausüben, desto weniger zeigen sich die Kinder bereit, Leistungen zu zeigen”. Das wird wohl nicht nur für die Schweiz gelten.



EU-Grenzwerte für Pestizide: Gesundheitsrisiko für Verbraucher

Aktuelle Greenpeace-Studie zeigt, dass besonders Kinder gefährdet sind

Durch die europäische Vereinheitlichung von Pestizidhöchstmengen ab dem 1. September kann legal stärker belastetes Obst und Gemüse auf den deutschen Markt gelangen. Nach einer heute veröffentlichten Studie von Greenpeace und der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000 sind fast 700 der zukünftig EU-weit geltenden Höchstmengen für Pestizide in Obst und Gemüse zu hoch. Vor allem die bei Äpfeln, Birnen, Trauben, Tomaten und Paprika zugelassenen Pestizidbelastungen sind oftmals so hoch, dass akute und chronische Gesundheitsschäden drohen, insbesondere bei Kindern. Weiterlesen…



foodwatch-Report “Klimaretter Bio?”

Die Landwirtschaft ist für mehr als 13 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Trotzdem ignoriere die Politik diesen Bereich bisher, kritisiert die Verbraucherorganisation foodwatch. Sie hat wissenschaftlich untersuchen lassen, wo in der Landwirtschaft die meisten Treibhausgase entstehen und wie sie reduziert werden können. Und gefragt: Ist Bio-Essen besser für das Klima?

Wer Bioprodukte kauft, schützt auch das Klima - so denken vermutlich viele Verbraucher. Aber ist das wirklich richtig? Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat untersucht, was die herkömmliche und die ökologische Landwirtschaft jeweils zum Treibhauseffekt beitragen. Die Ergebnisse hat foodwatch in dem Report “Klimaretter Bio?” zusammengefasst.

Ergebnis der Studie: Die Landwirtschaft verursacht in Deutschland annähernd so viele klimaschädliche Gase wie der Straßenverkehr, nämlich 13 Prozent der Treibhausgase insgesamt. Sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft tragen dabei erheblich zum Treibhauseffekt bei. Die ökologische Landwirtschaft verursacht zwar rund 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase. In der Milch- und Rindfleischproduktion schneiden Bio-Bauern aber teilweise schlechter ab als konventionelle Tierhalter. Wer Bioprodukte kauft, ernährt sich deshalb nicht automatisch klimaschonend. Wichtiger für die persönliche Klimabilanz ist, wieviel Rindfleisch- und Milchprodukte ein Mensch isst.

Treibhausgase könnten um 60 Prozent gesenkt werden

Die Landwirtschaft bietet enorme Möglichkeiten für den Klimaschutz: Der Ausstoß an Treibhausgasen könnte um 60 Prozent gesenkt werden, das wären 80 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Die einfachste Maßnahme wäre der Stopp der Nutzung von Moorböden. Schon allein dadurch ließen sich 30 Prozent der Treibhausgase einsparen. Weitere 20 Prozent würde die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft bringen. Um den Treibhausgas-Ausstoß aber langfristig zu senken, müsste die Produktion von Fleisch und Milch vermindert werden, denn vor allem die Rinderhaltung ist sehr klimaschädlich.

Um die enormen Einsparmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu nutzen, reicht es nicht, wenn jeder persönlich Konsequenzen zieht und weniger Fleisch und Milchprodukte ist, betont foodwatch. Die Politik sei aufgefordert, die Regeln zu ändern: Agrarpolitik muss Teil der Klimapolitik werden.