Salzburger Nachrichten: “Den Kindern die Welt!”

Von Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten vom 30.5.2009

H & M, Adidas, Aldi . . . Marie ist erschrocken, als sie lesen musste, dass diese großen Firmen und viele andere ihre Profite dank Kinderarbeit machen oder tolerieren, dass in den Zulieferbetrieben der Dritten Welt Hungerlöhne gezahlt werden. Max stimmt ihr zu und wirft der Politik vor, dass sie den großen Konzernen viel zu viel Macht zugesteht. Die Manager in den Konzernen drohten, in ein Billiglohnland abzuwandern, wenn die Mindestlöhne erhöht würden, und schon würden sich die Politiker ruhig verhalten. Außerdem stört ihn, dass sich Konzerne in Afrika oder Asien nicht um die Umwelt kümmern. Matthias kann nicht länger verdrängen, dass alle drei Sekunden ein Kind stirbt. Dagegen könnte man etwas unternehmen, wenn wir die Augen nicht deshalb schließen würden, weil wir gern unbehelligt lebten. Die sechs Jungkritiker, die das Buch „Uns gehört die Welt“ von Klaus Werner-Lobo (Hanser Verlag) gelesen haben, sind empört über den Zustand der Welt, den die Erwachsenen zu verantworten haben. Der Begriff „Globalisierung“ leuchtet Josef plötzlich ein: „Das bedeutet, dass an verschiedenen Orten der Welt ein Produkt zusammengestellt wird.“ Sinnvoll ist das nicht. „Unsere Tomaten werden in Holland gepflückt und in Marokko gewaschen“, schreibt Lobo, „unsere Jeans aus indischer Baumwolle werden in China genäht und von einer US-Firma verkauft.“

Max war lange Zeit beeindruckt von Bill Gates, weil er sich um die Gesundheit der Ärmsten sorgt. Jetzt denkt er anders. Gates verfügt über so viel Geld, wie die Einwohner der 50 ärmsten Länder zusammen in einem Jahr verdienen. Seine Stiftung förderte in Nigeria ein Impfprogramm gegen Kinderlähmung und Masern mit 167 Millionen Euro. Mit der gleichen Summe ist die Stiftung an Ölkonzernen beteiligt, die in Nigeria die Umwelt zerstören. Werner-Lobo: „Dieselben Kinder, die dank der Gates-Stiftung gegen Masern geimpft werden, erleiden dadurch schwerste Atemwegserkrankungen.“

Was können Kinder tun gegen die katastrophalen Zustände? Marie findet, dass man sich gegen die Mächtigen zusammenschließen muss. Es reiche nicht, wenn sich eine Klasse für fairen Handel stark mache, „viele Schulen müssen sich miteinander verbünden“. Magdalena traut den Menschen nicht. Sie glaubt, dass die Meisten viel zu träge sind, als dass sie ihr Einkaufsverhalten ändern würden: „Wir wissen, wo das Billabong-Zeug herkommt, aber es ist cool.“ Marie stimmt ihr zu: „Wir sind leider gewohnt, zu kaufen, was cool ist.“

Constantin ist sich sicher, dass Klaus Werner-Lobo ein wichtiges Buch geschrieben hat, dass möglichst viele Jugendliche lesen sollten. Aber Josef fürchtet, dass viele Jugendliche das Buch zwar verstehen würden, es aber nicht lesen wollen.

Die Jugendlichen haben begriffen, worauf es ankommt. Haben sie ihr Leben nach ihren Erkenntnissen ausgerichtet? Werfen wir einen Blick auf die Kleidung: Constantins T-Shirt stammte aus Pakistan, Maries Jacke aus Marokko, Maxens Hemd aus China und Josefs Pulli aus Bangladesh.

Jugendliche ab 13 oder 14 müssten das Buch verstehen, meinten die Jungkritiker. Hatten sie gar nichts einzuwenden gegen das Buch? „Ein Lexikon für schwierige Wörter im Anhang wäre sehr nützlich“, fand Marie. Es kann ja nicht erwartet werden, dass sich jugendliche Leser die Begriffe der Wirtschaft schon angeeignet haben.

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