Greenpeace: Klimaschutz als Chance für die Weltwirtschaft

via greenpeace.de:

Erneuerbare Energien könnten sich angesichts der jetzigen Finanzkrise als echter Konjunkturmotor erweisen. Durch die Umstellung würden allein im Strombereich bis 2030 weltweit über 18 Billionen Dollar Brennstoffkosten für Kohle, Gas und Öl eingespart.

Zu diesem Ergebnis kommt das Szenario Energie [R]evolution: Ein nachhaltiger Weltenergieausblick. Greenpeace und der Europäische Dachverband der Erneuerbare-Energien-Industrie (EREC) stellten es gemeinsam am Montag in Berlin vor. Greenpeace und EREC hatten den Report beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Auftrag gegeben.

“In den letzten Wochen sind gigantische Geldmengen durch die globale Finanzkrise regelrecht verdampft”, sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International. “Die Klimakrise trat dabei in den Hintergrund. Notwendig wären jedoch Investitionen von neun Billionen Dollar in Erneuerbare Energien. Vor allem in Deutschland könnte diese Energierevolution die Wirtschaft in Schwung bringen.”

Windkraft, Biomasse, Photovoltaik, thermische Solartechnik, Erdwärme, Meeresenergie und Wasserkraft - sie alle bieten zunehmend attraktive Möglichkeiten. Sie produzieren wenig oder gar keine Treibhausgase und beziehen ihre Energie aus nahezu unerschöpflichen natürlichen Quellen. Manche dieser Technologien sind bereits wettbewerbsfähig. Werden sie technisch weiterentwickelt, steigt auch ihre Wirtschaftlichkeit.

Investieren ohne Mehrausgaben

Wichtig: Die notwendigen Investitionen in Erneuerbare Energien und effiziente Kraft-Wärme-Kopplung stellen keine Mehrausgaben dar. Die Ausgaben wären allein schon gedeckt, weil die Brennstoffkosten der weltweiten Kohlekraftwerke wegfielen.

Ab 2030 würden laut Szenario Erneuerbare Energiequellen die Hälfte des weltweit benötigten Strombedarfs decken und weit über dieses Jahr hinaus Strom ohne zusätzliche Brennstoffkosten erzeugen. Kohle und Gas dagegen würden die Weltwirtschaft weiter belasten.

“Die Industrie der Erneuerbaren Energien kann bis 2050 weiter mit zweistelligen Zuwachsraten rechnen und dann der fossilen Industrie den Rang ablaufen”, sagt Oliver Schäfer, Policy Direktor von EREC. “Zurzeit verdoppeln sich die Erneuerbaren Energien alle drei Jahre. Windkraftanlagen sind an guten Standorten bereits heute günstiger als konventionelle Kraftwerke. Die Industrie ist bereit, die Energierevolution zu realisieren. Es gibt keine technischen und ökonomischen Hürden, sondern nur politische.”
Globaler Energiebedarf und Klimaschutz

Der Masterplan zeigt, wie der steigende Energiebedarf der Welt gedeckt werden kann, ohne den lebenswichtigen Klimaschutz zu gefährden. So wird berechnet, wie der weltweite Kohlendioxidausstoß bis 2050 halbiert werden kann. Dabei ist auch berücksichtigt, wie sich das weltweite Wirtschaftswachstum insbesondere in den Boomregionen China und Indien entwickelt.

“Mit Effizienzstandards kann der Anstieg des weltweiten Energiebedarfs gebremst werden. Die Energie, die so gespart wird, kann den wachsenden Energiehunger von Entwicklungsländern in etwa kompensieren”, so Teske.

“Wenn gleichzeitig die Erneuerbaren Energien vervierfacht werden, können wir den jährlichen Kohlendioxidausstoß reduzieren - von heute circa vier Tonnen jährlich pro Kopf auf etwa eine Tonne bis 2050 - und das bei gleichem Wirtschaftswachstum.”

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Ein Kommentar
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  1. Der Artikel ist schon älter, aber ich habe einen gesucht, zu dem mein Kommentar über Energie passt. Was Greenpeace vor hat und viele andere prognostizieren ist schön und eine ganz gute Aussicht für 2050. Aber ich denke, es reicht nicht. Es dient eher als Alibi, noch eine Weile unverändert weitermachen zu können. Ich fordere Maßnahmen, die wirklich sofort umgesetzt werden könnten (ohne sozialistische Planwirtschaft). Die beiden mächtigsten Institutionen dieser Erde, Welthandelsorganisation und Weltbank müssen erreichen, dass Energiehersteller einen finanziellen Ausgleich an die Umwelt leisten, die sie ausbeuten. In der Folge sollte Energie (egal ob Kohle, Uran, Öl, Gas) ungefähr das Fünffache kosten. Hör ich jetzt jemand stöhnen ‘der spinnt wohl’? Ja, klar, bloß nicht am eigenen Wohlstand kratzen, was? Dass Energie in den vergangenen Jahren sich eh schon mehrfach verteuert hat, habt ihr aber geschluckt und zum Teil darauf reagiert, mit weniger Heizen, weniger Auto fahren, etc. Dass den Gewinn daraus aber nur die Konzerne bekommen haben und die Umwelt weiter sinnlos ausgebeutet wurde, ist den meisten nicht gegenwärtig oder gar schnuppe.

    Denken wir doch erst einmal zurück, ab wann die Energie zu billig war, theoretisieren ein wenig, was statt dessen hätte laufen können und kommen dann zu einer Lösung, die heute möglich wäre. Das ist übrigens ein Rezept, wie man etliche aktuelle Probleme angehen sollte!

    Die ‘industrielle Revolution’ begann im späten 18. Jahrhundert und beschleunigte sich immens mit der Erfindung der Dampfmaschine. Was so harmlos zischelnd klingt ist ein uneffizientes Monster, das unvorstellbare Mengen an Kohle verfeuert hat. Diese Kohle wurde aus Bergwerken geholt, die Arbeiter dazu in unwürdigen Bedingungen beschäftigt. Kein Ausgleich an Mensch oder Natur, schlichte Ausbeutung, damit es ein paar Wenigen besser ginge. Das setzte sich so fort und gipfelte in der breiten Nutzung von Elektrizität, erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Ab jetzt war klar: Energie ist zu billig, jeder will sie haben, aber keiner will einen Ausgleich leisten. Keinen sozialen Ausgleich für sich kaputt schuftende Generationen und keinen ökologischen Ausgleich für die Vergeudung von Ressourcen. Wir lehnen zwar schon länger die direkte Sklaverei empört ab, dulden aber locker die indirekte Sorte: Menschen davon abhängig zu machen, quasi in Unfreiheit einer Arbeit nachzugehen, die Ausbeutung bedeutet. Wobei, Klaus Werner-Lobo schildert auch etliche Beispiele, die man immer noch als direkte Sklaverei bezeichnen muss!

    Nun, weil Energie so billig war, hat sich auch keiner darum geschert, sie dort zu speichern, wo sie benötigt wird. Der Transport über große Distanzen war eben noch billiger. Ein Nebeneffekt: die Stahlindustrie braucht irrsinnige Mengen Strom, bezahlt aber kaum was dafür - ergo ist auch Stahl zu billig. Noch schlimmer: Aluminium! Heute haben wir wenige zentrale Kraftwerke, die ganze Städte abhängig machen und die uns suggerieren, wir könnten das nicht vom einen auf den anderen Tag auf alternative Energien umstellen (siehe Einstieg oben).

    Zweiter Schritt: theoretisieren, was statt dessen hätte eintreten können. Spätestens zu Beginn des Eisenbahnzeitalters (= gigantischer Kohle- und Stahlverbrauch) hätte man den sozialen und ökologischen Ausgleich etablieren können. Das hätte den Ausbau des Transportmittels nicht verhindert, sondern in eine langsamere, nachhaltigere Entwicklung gezwängt. Folgende technische Entwicklungen hätten sich ebenfalls an Langlebigkeit und Nachhaltigkeit orientiert, weil man sie sonst nicht hätte verkaufen können. Das Tüfteln, der Erfindergeist, wäre vielleicht nur noch mehr angespornt gewesen, hocheffiziente Motoren zu entwickeln oder eben schon viel früher regenerative Energien zu nutzen. ‘Hätte, wäre, wenn’ nützt nichts, heißt es immer, weil es ‘nun mal anders gelaufen’ sei. Falsch: zu schauen, was hätte passieren können, hilft sehr gut beim Ausblick auf das, was wir wirklich brauchen.

    Dritter Schritt: eine sofortige Verteuerung von Energie, gleich welcher Art, leitet direkt ein paar wesentliche Veränderungen ein.

    - sofortige Einsparung und damit Verringerung CO2-Ausstoss
    - sinnlose Transporte rund um den Globus hören auf
    - Fahren, Reisen, Fliegen wird wieder zum Luxus

    Wir kaufen nicht nur effiziente Produkte, sondern überlegen uns gut, ob wir überhaupt was neues kaufen, denn noch sparsamer ist es, etwas altes noch länger zu nutzen. Dadurch kämen wir auch sehr viel schneller zu Michael Braungarts ‘cradle to cradle’ Prinzip - wie ich meine, das einzige Prinzip, nach dem Herstellung und Konsum von Produkten noch gerechtfertigt ist.

    Als nächstes, in einem längeren Prozess, wird sich die Energieversorgung komplett ändern. Großkraftwerke werden geschlossen. Statt dessen Block(heiz)kraftwerke, Solaranlagen, Wärmepumpen. Und vor allem und überall wo man sie noch nicht hat: supereffiziente Akkus! Es werden heute schon Handy- oder Laptop Akkus zu Hunderten aneinandergehängt um elektrische Sportwagen zu Hochleistung anzutreiben. Das ist aber nur ein netter Seiteneffekt. Viel interessanter ist es, Energie für Haushalte, wenn nicht Städte solange zu speichern, bis wieder genug (Solar-)Strom zur Verfügung steht. Die Technolgie ist HEUTE schon da, wir haben sie entwickelt, aber wir nutzen sie nicht ausreichend und umfassend. Der Zwang dazu entstünde durch eine Verteuerung der Energie!

    Nebenbei (aber alles andere als nebensächlich) muss eine sofortige Einführung der Kerosin-Besteuerung erfolgen, sowie ein globales Verbot, Schiffsmotoren als Sondermüllverbrennungsanlangen für Schweröl zu verwenden. Vergleichsweise sauberer Dieseltreibstoff kostet ordentlich besteuert ca. das Fünffache. Der Stahl für den Schiffsbau ohne Subventionen auch. Transporte würden sich also auch locker um das Fünffache verteuern. Damit sofort Schluss mit vergiftetem Kinderspielzeug aus China. Schluss mit Krabben-Puhlen in Marokko. Schluss mit dem Transportwahnsinn für die Jeans-Produktion. Und NIEMAND hat dadurch eine wirkliche Einbuße des Lebensstandards! Ein paar wenige Dinge werden seltener und teurer, wir werden sie schnell vergessen oder eben einen anderen Preis dafür zahlen. Viel schneller gehen wir dazu über, uns aus der Region versorgen zu lassen und uns wieder auf saisonale Verfügbarkeit einzustellen. Kerosin zum Billig-Fliegen? Quark. Lasst auch das Fliegen endlich mindestens fünffach so teuer werden. Wer für 19 Euro nach Paris geflogen ist, hat den Unsinn schon gehabt und braucht ihn nicht jedes Wochenende nochmal.

    Atomkraft? Pah. Hier müssten die Ausgleichszahlungen der Konzerne das zwanzig- bis fünzigfache ausmachen. Was glaubt ihr, wie schnell die AKWs stillgelegt und zurückgebaut werden! Wohin mit dem Atommüll? Tja, wir haben keine wirklich gute Lösung. Bis eine da ist, schlage ich die Keller der Konzernzentralen vor.

    Denkt mal nach, denkt weiter: Energieverteuerung MIT Ausgleichszahlung an Mensch und Natur wäre eine Soforthilfe für den gesamten Globus!

    Und damit regelt sich so vieles Weitere von fast ganz allein. Sämtliche Massenproduktion, egal ob Technik oder Nahrungsmittel, lohnte sich nur, weil Energie zur Herstellung und Transport so billig waren. Wir brauchen kein Fleisch aus Argentinien, keine Äpfel aus Neuseeland und auch keinen Südmilch-Joghurt im Norden Deutschlands. Hier gegen Lobbies zu streiten wäre wie gegen Windmühlen kämpfen. Aber die Energie zu verteuern läßt das sich von ganz alleine regeln! Und so weiter, etcetera - denkt mal nach, bevor ihr schimpft, das könne sich keiner leisten.

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